Jordan Belfort

Kennen Sie Jordan Belfort (Foto)? Nein? Das ist nicht schlimm. Der Finanzjongleur aus New York und seine Maklerfirma „Stratton Oakmont“ haben in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren mit Wertpapierbetrügereien tausende zumeist kleiner Anleger um ihr Vermögen gebracht. Er war dafür – auch dank seiner Kollaboration mit FBI und Staatsanwaltschaft – nur 22 Monate im Gefängnis.

Heute ist er 51 und lebt in Kalifornien, als Autor und Motivationscoach – und als gemachter Mann: Seine selbstverliebten Memoiren „Der Wolf der Wall Street“ (2007) und „Die Jagd auf den Wolf der Wall Street“ (2011) wurden internationale Bestseller, und auf seiner Homepage jordanbelfort.com vertickt er für stolze 1997 Dollar ein paar CDs und DVDs als todsicheren Weg zum Erfolg für jedermann. Seine Methode der „Straight Line Persuasion“ (etwa: planmäßige Überzeugung) ist dabei dieselbe wie seinerzeit, nur warnt er jetzt mit einem dicken gelben Balken davor, sie zu Manipulationszwecken einzusetzen. Er wisse schließlich, wovon er spreche, er sei ja im Alter von 26 Jahren von den irrwitzigen Summen verführt worden, die man mit dieser Taktik verdienen könne.Ein Schelm, wer da an einen Wolf im Schafspelz denkt…

8000 Coaches, 300 Akademien, zahlreiche Zertifikate

Motivationscoaches sind gefragter denn je. Auch die Anzahl der Coaches hier zu Lande ist in den letzten Jahren nachweislich stark gestiegen. Vor allem im gehobenen und mittleren Management oder auch im Vertriebsaußendienst wächst die Nachfrage nach persönlichen Beratern, ebenso das Angebot.

Gut 8000 Coaches arbeiten in Deutschland. Auch die Zahl der Anbieter von Coaching-Ausbildungen steigt. Rund 300 Akademien, Institute und private Ausbilder gibt es dafür hierzulande, plus zahlreicher Zertifikate, die den Coaches attestieren, sich als Motivationstrainer nach einer der unzähligen „Methoden“ bezeichnen zu dürfen – was die Honorare meist noch einmal nach oben treibt.

Doch warum ist der neue Berufszweig heute so gefragt? Ganz einfach: Es gibt Phasen im Berufsleben, da fühlt sich jeder Arbeitstag an wie ein Montagmorgen. Für kurze Zeit sind Schwerfälligkeit und Unlust  normal. Wenn aber die Motivationskurve gar nicht mehr ansteigen will, wenn der fehlende Antrieb zum Problem für den Chef und die Kollegen wird, muss Hilfe her.

Auch immer mehr Studenten haben Zweifel am Sinn ihres Studiums: Erste Universitäten wie die Universität Frankfurt engagieren Fachleute für ein Motivationstraining. Gerade die jungen Studenten, die einhergehend mit den stark komprimierten Bachelor- und Masterstudiengängen häufig unter Druck stehen, freuen sich über die Motivationsseminare, denn mit dem neuen Bildungssystem auf der Hochschule kommen die wenigsten anfänglich klar.

Der „Tsjakkaa!“-Moment bleibt selten dauerhaft aufrecht

Die Jagd nach Credit Points setzt viele extrinsische Anreize. Der Belohnungseffekt wirke aber nur kurzfristig und zerstöre die intrinsische Motivation wie Interesse an einem Wissensgebiet, am Experimentieren oder Spaß am Lernen in der Gruppe. Zudem mangelt es vielen deutschen Unis an persönlichem Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden, an Rückmeldung.

Doch die meisten Coaches arbeiten als Selbstständige. Ihre Kunden sind Privatpersonen oder Unternehmen, die sie als externe Berater buchen. Viele von ihnen haben Psychologie und Kommunikationswissenschaften studiert, andere kommen aus der Pädagogik, denn am Wichtigsten für die Arbeit als Coach sind Grundlagen der Kommunikation, Teamentwicklung und Gesprächsführung. Auch die erlernten psychologischen Kenntnisse sind wichtig.  Noch fehlt der Branche allerdings ein einheitlicher Ausbildungsstandard. Und so wird weiterhin beispielsweise der „Mentaltrainer nach Dr. Kurt Tepperwein“ mit dem nach der „Stöckle-Methode“ konkurrieren. RTL2 hatte sogar kurzfristig einen von ihnen ins Fernsehen gebracht, nämlich den Niederländer Emile Ratelband, der für seinen berühmten „Tsjakaa“-Ausruf bekannt wurde, der mittlerweile zum geflügelten Begriff rund um das Thema Motivationstraining geworden ist.