Pressefreiheit in der Türkei: Mümtazer Türköne

Einst galt Mümtazer Türköne als intellektuelles Gesicht der Türkei. Doch nach dem Putschversuch 2016 wurde Türköne mit schweren Anschuldigungen beschuldigt- und das, nur weil er seine Meinung öffentlich kundtat. Jetzt sitzt der 63-jährige im Gefängnis und das in einem schlechten Gesundheitszustand.

Der Akademiker und Journalist Mümtazer Türköne ist nach einem medizinischen Eingriff  wieder ins Gefängnis gebracht worden. Darüber berichten türkische Medien. Aufgrund einer Herzstörung soll der 63-jährige Ende Juli in das Mehmet Akif Ersoy Krankenhaus in Istanbul gebracht worden sein. Hier soll Türköne eine Gefäßstütze bekommen haben. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Implantat zum Offenhalten von Gefäßen oder Hohlorganen.

Laut Medienberichten soll der Journalist sich gegen eine Operation entschieden haben, weil die Zustände im Gefängnis sehr schlecht seien. Für die andere Leber haben die Ärzte sich für eine Operation ausgesprochen. Ob der 63-jährige dem zustimmt, ist unklar.

Türköne wurde kurz nach Putschversuch 2016 festgenommen

Türköne wurde kurz nach dem Putschversuch 2016 im Rahmen der Verhaftungswelle gegen kritische Journalisten festgenommen. Türköne, der ehemaliger Universitätsprofessor ist und als Kolumnist bei der türkischen Tageszeitung „Zaman“ gearbeitet hat, wurde Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Mit diesem Vorwurf ist in der Türkei eine Nähe zur Gülen-Bewegung gemeint, die in der Türkei als terroristisch eingestuft wird. Die türkische Regierung schreibt auch den Putschversuch der Gülen-Bewegung zu, bislang aber ohne haltbare Nachweise.

Im Fall von Türköne haben die Untersuchungen und der Prozess fast zwei Jahre gedauert. Der Prozess ist insgesamt durch juristische Ungereimtheiten bekannt geworden. Türköne ist zu 10 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Auch Gülen-kritische Journalisten solidarisieren sich mit Türköne

In den sozialen Medien ging ein Foto vom Türköne rum, in dem er in Handschellen in einem Krankenhaus zu sehen ist. Das Foto sorgte für viel Kritik.

Die Tochter des Journalisten versucht auf die Situation ihres Vaters aufmerksam zu machen. Dieser Hilferuf wurde in der Türkei auch von Gülen-kritischen Journalisten wahrgenommen und unterstützt.

 

In der Türkei sind derzeit knapp 191 Journalistinnen und Journalisten inhaftiert. Der Verein Deutsch-Türkischer Journalismus und Recherche e.V. ist der Ansicht, dass jeder einzelne von ihnen Solidarität und Aufmerksamkeit verdient. Deshalb hat der Verein die Kampagne „Sei meine Stimme“ ins Leben gerufen. Bislang haben sich über 20 Menschen aus der Politik und Gesellschaft an der Kampagne beteiligt. Auch Sie können die Kampagne mit einem Video unterstützen. Hier geht es zu der Webseite von Sei meine Stimme.