Münster, Anschlag, islamistisch, Terrorismus
dpatopbilder - 08.04.2018, Nordrhein-Westfalen, Münster: (l-r) Markus Lewe (CDU), Überbürgermeister von Münster, Horst Seehofer (M, CSU, Bundesinnenminister, und Armin Laschet (r, CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, legen vor dem Brunnen an der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt Blumen nieder. Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor dem Restaurant in eine Gruppe von Menschen gerast und hatte zwei von ihnen getötet. Foto: Marcel Kusch
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Gastbeitrag von Postillleaks

Man wird so müde, immer und immer wieder die gleichen Reaktionen im Netz zu lesen, wenn Dinge wie in Münster passieren. Die Ermittler sind teilweise nicht mal am Tatort, die Schwerverletzten noch nicht abtransportiert und trotzdem wissen einige von ihrer Couch bzw. bei diesem schönen Wetter vom Badesee aus, wer Schuld am Zwischenfall bzw. Attentat hat.

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Vielleicht trifft ihre Mutmaßung zu, vielleicht aber auch nicht und das ist der Punkt. Wenn jemand in eine Menschenmenge fährt und sich danach selbst richtet (Stand: 07.04.2018, 18:38 Uhr) verdichten sich die Indizien zwar, bewiesen ist damit aber eben noch nichts.

So wie seinerzeit in München, als die Spekulationen eine ganze Großstadt in Atem gehalten haben…und wo sich hinterher rausgestellt hat, dass das alles nichts mit islamistischem Terror zu tun hat. Das Innehalten, Durchatmen und Abwarten ist in Zeiten von Twitter, Facebook und Co natürlich aus der Mode gekommen.

Aber selbst, wenn es sich hier um islamistisch motiviertem Terrorismus handelt, kann man es gar nicht oft genug von den Dächern herabschreien:

Die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland fährt ihr Auto nicht in Menschen hinein, sondern damit zur Arbeit oder die Kinder zur Schule.

Die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland zündet keine Bomben oder Sprenggürtel, sondern am Wochenende ihren Grill an.

Die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland schneidet mit Messern Brot. Keine Haut, Sehnen oder Organe anderer Leute.

Es mag sein, dass die Gefahr durch einen islamistischen Anschlag in Europa und in Deutschland ums Leben zu kommen seit 2015 gestiegen ist. Sie liegt deswegen aber immer noch weit unter dem, was eine Grippesaison in Deutschland oder der Straßenverkehr anrichtet.

Genug Abschottung vor Terrorismus ist eine Illusion

Der Unterschied ist die Illusion einer besonderen Handhabe bei Terrorismus, dass man sich nur genug abschotten müsse, um so etwas zu verhindern. Das ist in einer heute globalisierten Welt ein Trugschluss und er wird es immer bleiben. Die Freiheit, sich Nachmittags in ein Café zu setzen und die Sonne zu genießen, wird uns eben kein Mörder nehmen können und er wird uns auch nicht dazu zwingen, Betonpöller vor Restaurants zu installieren. Wir werden mit dieser Ungewissheit, dass so etwas passiert leben müssen, so wie wir auch jedesmal den Tod in Kauf nehmen, wenn wir eine Türklinke anfassen oder in ein Auto steigen…nur mit dem Unterschied, dass hier die Wahrscheinlichkeit zu sterben ungleich höher ist.

Daran ändern auch die reflexhaften Beissreflexe in den Kommentarspalten des Internet nichts, im Gegenteil. Sie tragen durch Spekulationen ohne jegliches Hintergrundwissen dazu bei, dass Hass zwischen Menschen sich verstärkt. Menschen aller Nationen und Religionen, die einen sonnigen Tag in Freiheit genießen wollen. Dieser Hass hat die Rechtspopulisten in den Bundestag gespült. Und dieser Hass ist es neben der Trauer um jedes einzelne Opfer von Münster, den es jeden Tag mit aller Vehemenz zu bekämpfen gilt.

Stand jetzt (07.04.2018, 19:05) handelt es sich um die Tat eines psychisch gestörten mutmaßlichen Deutschen. So schnell kann es manchmal gehen.

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