Die Gedenktafel von Muhammad Asad

Zur Erinnerung an Muhammad Asad (1900-1992), der als Journalist, Diplomat und Gelehrter tätig war, wurde nun in Berlin ein Denkmal geschaffen. Das Haus, in dem der zuvor im Judentum erzogene und aufgewachsene Österreicher den Islam bewusst als Lebensweise annahm, ist zu seinen Ehren mit einer Gedenktafel versehen worden.

Asad, der vor seiner Annahme des Islam Leopold Weiss hieß, war 1900 in Lemberg, damals Teil der Habsburgermonarchie, heute Ukraine, geboren worden. Er wuchs in einer religiösen jüdischen Familie auf; sein Großvater war ein Rabbiner. Als ein sehr sprachbegabter Mensch beherrschte er bereits in jungen Jahren mehrere Sprachen. Sein Talent zum Schreiben, kombiniert mit seiner Leidenschaft zum Reisen, ermöglichte es ihm, eine Karriere als Auslandskorrespondent bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu starten.

So gelangte er nach Palästina, wo er erstmals Kontakt mit dem Islam hatte. Infolge der ihn tief berührenden Erfahrungen und intellektuellen Faszination „konvertierte“ er 1926 in Berlin in dem Haus an dem nun die Gedenktafel angebracht ist, zum Islam.

Schon wenig später vollzog er die Große Pilgerfahrt nach Mekka (Al-Hadsch). Auf dieser Reise schloss er Bekanntschaft mit dem damals regierenden König Saud, welche sich zu einer festen Freundschaft entwickelte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, konnte er als Flüchtling aus Europa nach Indien entkommen; seine gesamte restliche Familie wurde aber in den Konzentrationslagern der Nazis umgebracht.

Staatsmitgründer und UN-Botschafter Pakistans

Einen Meilenstein im Leben Muhammad Asads stellt seine Beteiligung an der Staatsgründung Pakistans dar, in dessen Folge er im diplomatischen Dienst das Land als Botschafter bei den Vereinten Nationen vertrat.

Er schrieb zahlreiche Bücher über den Islam, beteiligte sich maßgeblich am Dialog der Kulturen, wirkte aufklärerisch und positiv in die deutschsprachige und europäische Gesellschaft hinein und schrieb gesellschaftlich richtungsweisende Abhandlungen und Kritiken. Sein Lebenswerk und gleichzeitig auch seine persönlich wertvollste Hinterlassenschaft ist aber seine kommentierte englische Koranübersetzung, mit deren Verfassen er 17 Jahre seines Lebens verbrachte.

Es entstand „The Message of the Qur’an“; eine präzise, fundierte Darlegung der Bedeutung der zeitlosen koranischen Botschaft Gottes an die Menschen. Dieses Werk wurde in zahllose Sprachen übersetzt – mit Ausnahme der deutschen – und gelangte damit zu weltweiter Anerkennung.

Der Verein für denkende Menschen VDM e.V. widmete sich 2003 der Aufgabe, dieses Hauptwerk Asads auch dem deutschen Sprachraum zugänglich zu machen. Nach sechs Jahren der Übersetzungsarbeit erschien 2009 die deutsche Fassung des Buches unter dem Titel „Die Botschaft des Koran“ im Patmos Verlag. Damit trug der VDM e. V. entscheidend zur Verwirklichung der Intention Muhammad Asads bei, die Botschaft des Koran den Menschen nahezubringen.

Die Bekanntmachung der schriftstellerischen Werke Asads deckt sich insofern mit den Zielen des Vereins, da diese die Förderung des wissenschaftlichen Austausches, den Abbau von Vorurteilen zwischen unterschiedlichen Kulturen, die Stärkung der Völkerverständigung und die Pflege des internationalen Friedensgedankens umfassen.

Mit seiner kommentierten Übersetzung des Koran hat Muhammad Asad Geschichte geschrieben; sozusagen islamische Geschichte. Er gilt somit bis heute als ein Brückenbauer zwischen Religionen und Kulturen, von dem Murad Wilfried Hofmann sagt, er sei „das größte Geschenk Europas an den Islam“.

Kosten für die Tafel aus Spendengeldern aufgebracht

Die Historische Kommission zu Berlin e. V. bestätigt: „Muhammad Asad ist zweifellos eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und ein islamischer Gelehrter von hohem Rang“. In einer feierlichen Einweihungszeremonie bekräftigten Dr. Heinrich Kreft, Botschafter des Auswärtigen Amtes, Frau Staatssekretärin Loth für den Senat von Berlin und Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des ZMD, die gesellschaftliche Tragweite der außerordentlichen Leistungen Asads.

Nach vier langen Jahren hatte der Zentralrat der Muslime, der sich um die Ehrung bemüht hatte, endlich eine positive Entscheidung der Historischen Kommission zu Berlin erhalten. Die Kosten für die Gedenktafel wurden aus Spendengeldern gedeckt, welche vom Verein für denkende Menschen, der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft DAFG und der Berliner DITIB-Şehitlik-Moschee aufgebracht wurden.

„Wir sind sehr froh und stolz, dass wir zusammen mit unseren Partnern in Berlin nun endlich Leben und Werk Muhammad Asads, eines der bedeutendsten Gelehrten des 20. Jahrhunderts, auf diese Weise würdigen können“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman A. Mazyek abschließend. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, ergänzte: „ Wir freuen uns, dass im Gedenken an Muhammad Asad diese Tafel im Herzen von Berlin angebracht wird.“

Zuvor wurde bereits 2008 in der UNO City zu Wien der Platz vor den Vereinten Nationen zu Asads Ehren als „Muhammad Asad Platz“ benannt – dies war die erste Straßenbenennung nach einer berühmten muslimischen Persönlichkeit in Österreich.