Münchens Polizei hat die Lehren aus der NS-Vergangenheit gezogen

Das Polizeipräsidium (PP) München, welches einst beim Aufbau des Nationalsozialismus in der „Hauptstadt der Bewegung” eine unrühmliche Rolle eingenommen hatte, veranstaltet derzeit mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München/NS-Dokumentationszentrum eine Ausstellung zum Thema „Münchner Polizei und Nationalsozialismus”, die bislang bereits von mehr als 5.000 Bürgern besucht wurde.

Der Pressesprecher des Präsidiums, Wolfgang Wenger, und Polizeisprecher Sven Müller (Foto) unterstreichen die Bedeutung der Ausstellung und betonten, man müsse Lehren aus den Fehlern in der Geschichte ziehen.

In der Nazizeit habe die Polizei aktiv die Politik der Verfolgung und Vernichtung von Regimegegnern und Minderheiten, vor allem von Juden, umgesetzt, erinnert Pressesprecher Wenger. Mitarbeiter des PP München hätten nun seit 2008 freiwillig daran gearbeitet, diese historische Ausstellung zusammenzustellen. Das Polizeipräsidium in München verfüge derzeit über 7.200 Mitarbeiter.

Gegenüber „Zaman” betonte Wolfgang Wenger die Bedeutung und Botschaft der Ausstellung: „Wir müssen Lehren aus der Geschichte ziehen und vorsichtig mit Blick auf diese Gefahren sein. Vor allem hat das PP München zahlreiche notwendige Schritte vor allem in der Aus- und Fortbildung des Personals in die Wege geleitet, um die Wiederholung von Fehlern der Nazizeit bereits im Ansatz zu verhindern.”

Müller: „Wir wollten zeigen, wie gefährlich Vorurteile gegenüber Gruppen der Gesellschaft sind”

Für die Beantwortung der Fragen zur Ausstellung selbst und ihren Zielen stand auch Polizeisprecher Sven Müller als einer der Mitorganisatoren der „Zaman“ zur Verfügung.

Müller gibt zu bedenken, welche Wirkung der Nationalsozialismus in den letzten 100 Jahren auf Deutschland gehabt habe. Man müsse Lehren aus dieser Zeit ziehen. Durch die Ausstellung werde eine wichtige Lücke mit Blick auf die Aufarbeitung der Vergangenheit im PP München geschlossen.

Er selbst habe im Rahmen der Schau vor allem das Thema „Gesellschaftlicher Widerstand gegen Nationalsozialismus“ erarbeitet. Nachdem bereits viele deutsche Unternehmen und auch manche Ministerien sich auf eine solche Weise ihrer Vergangenheit im Nationalsozialismus gestellt hätten, könne man nun auch auf diesem Wege etwas über seine Einrichtung erfahren.

Müller freute sich, bekannt geben zu können, dass seit der Eröffnung der Ausstellung jeden Tag über 100 Bürger gekommen seien, weshalb man sich entschlossen habe, sie noch einmal bis Sonntag, den 06. Januar 2013 zu verlängern.

„Wir mussten diese Ausstellung organisieren, nachdem so ungeheuerliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden waren. Wir wollten damit zeigen, dass wir gegenüber Extremisten und Demokratiefeinden wachsam sind. Wir wollten auch zeigen, wie gefährlich Vorurteile gegenüber unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft sind und warum eine Macht wie die Polizei vom Parlament kontrolliert werden muss“, fasst Müller die Ziele der Ausstellung zusammen.

Das Polizeipräsidium München spielte im Nationalsozialismus eine tragende Rolle. Heinrich Himmler, der 1923 der NSDAP beitrat und als einer der wichtigsten Köpfe deren rassistischer und nationalistischer Ideologie galt, wurde 1933 in München Chef der deutschen Polizei und wandelte diese von dort aus in ein Instrument der nationalsozialistischen Völkermordpolitik um. Er wurde 1925 auch Reichsführer der SS. Die NSDAP wurde ebenfalls 1919 in München gegründet, 1921 wurde Adolf Hitler zum Vorsitzenden der Partei gekürt. 1933 wurde er Reichskanzler und ein Jahr später gleichzeitig auch Reichspräsident.