Archiv: Aktivisten haben am 04.09.2017 vor dem Konsulat Myanmars in Kalkutta (Indien) ein Foto der myanmarischen Außenministerin Aung San Suu Kyi zum Verbrennen aufgestellt, um gegen die Unterdrückung und Gewalt gegenüber den Rohingyas in Myanmar zu protestieren. Foto: Bikas Das/AP/dpa
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Über 700 000 Rohingya musste aus Myanmar in die benachbarten Länder flüchten. Kritiker machen Myanmars Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi dafür verantwortlich und sprechen von einem Völkermord. 

Drei Friedensnobelpreisträgerinnen haben Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi die Schuld für die Gewalt gegen die Rohingya-Minderheit zugewiesen – und von einem «Völkermord» gesprochen. Die drei Frauen – die Iranerin Shirin Ebadi, die Nordirin Mairead Maguire und Tawakkol Karman aus dem Jemen – gaben am Mittwoch eine Pressekonferenz in der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka, nachdem sie einige Rohingya-Flüchtlingslager in Myanmars Nachbarland besucht hatten.

Suu Kyi, die im Jahr 1991 für ihren friedlichen Widerstand gegen die damalige Militärdiktatur ebenfalls den Friedensnobelpreis erhalten hatte, sei «direkt verantwortlich für die Verbrechen, die gegen die Rohingya-Muslime begangen worden sind», sagte Ebadi. Suu Kyi erzähle der Welt nicht die Wahrheit, sagte Karman. «Sie sollte aufwachen und diesen Völkermord stoppen.» 

Nobelpreis kann nicht aberkannt werden 

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Suu Kyi musste auch Kritik von anderen Akteuren erhalten. «Ich bin sehr enttäuscht von ihrer Haltung», sagte beispielsweise der frühere Direktor des norwegischen Nobel-Instituts Geir Lundestad vergangenes Jahr. «Sie sieht dies einfach nur als eine Frage von Terrorismus, und sie hat keine Bemühungen unternommen, in dieser sehr schwierigen Lage eine politische Lösung zu finden.» Ihre Auszeichnung aus dem Jahr 1991 könne Suu Kyi gemäß den Statuten der Nobel-Stiftung aber nicht aberkannt werden, betonte er.

BBC-Interview von Suu Kyi sorgte für Aufregung

Vergangenes Jahr sorgte auch ein Interview von Suu Kyi mit der BBC für Empörung. Sie glaube nicht, dass es eine ethnische Säuberung gebe, so Suu Kyi im Interview. 

 

Knapp 700 000 Rohingya vor Gewalt aus Myanmar geflohen 

Knapp 700 000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya sind in den vergangenen sechs Monaten vor Gewalt durch das Militär aus Myanmars Bundesstaat Rakhine ins überwiegend muslimische Bangladesch geflohen. Sie berichten von Hinrichtungen, Vergewaltigungen und Brandstiftung. Die Vereinten Nationen sprechen von «ethnischer Säuberung».

Suu Kyi steht seit Monaten international massiv in der Kritik, weil sie sich nicht gegen das Vorgehen des Militärs ausgesprochen hat, mit dem sie zusammen regiert. In der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung des ehemaligen Birma genießt sie aber Rückhalt.

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dpa/dtj
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