ARCHIV: Die türkische Universitätsdozentin Nuriye Gülmen (l) und der türkische Grundschullehrer Semih Özakca

Nach 202 Tagen Hungerstreik ist die inhaftierte türkische Akademikerin Nuriye Gülmen auf die Intensivstation verlegt worden. Sie sei in der Nacht zu Dienstag gegen ihren Willen aus dem Gefängniskrankenhaus gebracht und in das staatliche Krankenhaus in Ankara gebracht worden, sagte Onur Naci Karahanci von der Ärztekammer in Ankara der Deutschen Presse-Agentur. Die Ärzte wollten sie dort unter Beobachtung nehmen. Gülmen sei sehr schwach und könne sich kaum noch aus dem Bett aufrichten, sagte Karahanci.

Die Universitätsdozentin Nuriye Gülmen und der Grundschullehrer Semih Özakça waren am 9. März aus Protest gegen ihre Entlassungen aus dem Staatsdienst in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Ende Mai wurden die beiden wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verhaftet. Özakça befinde sich noch im Krankenhaustrakt des Gefängnisses in Ankara, sagte Karahanci.

Gülmen und Özakça nehmen nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich

Gülmen und Özakça nehmen nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich und hatten angekündigt, die Aktion fortzusetzen, bis sie ihre Arbeit zurückerhalten. Sie gehören zu mehr als 100 000 Staatsbediensteten, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert wurden. Mitte September hatte der Prozess gegen Gülmen und Özakca in Abwesenheit in Ankara begonnen. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.