Der türkische Lehrer Semih Ozakca (M) lacht am 20.10.2017 in Ankara (Türkei) inmitten seiner Familie, nachdem er aus der Haft entlassen wurde. Nach mehr als 220 Tagen im Hungerstreik hat ein türkisches Gericht die Entlassung des Grundschullehrers Semih Özakca aus der Untersuchungshaft verfügt. Foto: -/STR/AP/dpa

Nach mehr als 220 Tagen im Hungerstreik hat ein türkisches Gericht die Entlassung des Grundschullehrers Semih Özakca aus der Untersuchungshaft verfügt. Özakca werde nach der Entscheidung des Gerichts in Ankara aber bis zu einem Urteil in dem Prozess wegen Terrorvorwürfen eine elektronische Fußfessel tragen müssen, wie die Nachrichtenagentur DHA am Freitag meldete. Die ebenfalls angeklagte Universitätsdozentin Nuriye Gülmen, die gemeinsam mit Özakca am 9. März in den Hungerstreik getreten war, müsse dagegen in U-Haft bleiben. Mit dem Hungerstreik protestieren Özakca und Gülmen gegen ihre Entlassungen aus dem Staatsdienst.

Mehr als 150.000 Staatsbedienstete seit Putschversuch 2016 suspendiert

Der Lehrer und die Dozentin gehören zu mehr als 150 000 Staatsbediensteten, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert wurden. Gülmen und Özakca nehmen nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich und haben angekündigt, ihren Hungerstreik fortzusetzen, bis sie ihre Arbeit zurückerhalten. Nachdem die Aktion in Ankara zunehmende Aufmerksamkeit auch außerhalb der Türkei auf sich gezogen hatte, waren Gülmen und Özakca im Mai unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation in Untersuchungshaft genommen worden.

Nuriye Gülmen zwischenzeitlich auf Intensivstation

Zuvor hatte die Polizei mehrfach Solidaritätskundgebungen für die Hungerstreikenden aufgelöst. Gülmen war zwischenzeitlich gegen ihren Willen vom Gefängniskrankenhaus auf die Intensivstation des staatlichen Krankenhauses in Ankara verlegt worden. 

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dpa/dtj