Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat das Innenministerium 8777 Staatsbedienstete aus seinem Verantwortungsbereich vom Dienst suspendiert, darunter allein 7899 Polizisten. Bei den anderen handele es sich unter anderem um Angehörige der Gendarmerie oder der Küstenwache, meldete am Montag die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auch ein Provinzgouverneur sei darunter. Bereits am Samstag waren 2745 Richter ihrer Ämter enthoben worden.

Seit dem Putschversuch sind nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yıldırım zudem 7543 Verdächtige festgenommen worden, darunter 6038 Soldaten und 100 Polizisten, 755 Richter und Staatsanwälte sowie 650 weitere Zivilisten.

Beim gescheiterten Putsch in der Türkei starben nach offiziellen Angaben 145 Zivilisten, 60 Polizisten und 3 Soldaten. Verwirrung gab es um die Zahl der getöteten Putschisten, die Yıldırım am Montag in Ankara mit 24 angab. Bislang hatte die Regierung von mehr als 100 getöteten Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte gesprochen.

Der Ministerpräsident rief die Bevölkerung auf, kein Pauschalurteil über die Armee zu fällen. „Die Türkischen Streitkräfte sind unser Augapfel.“ Dem schloss sich auch Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu, der zudem betonte, dass die Suspendierungen nicht für eine willkürliche Säuberung missbraucht werden dürften. Yıldırım brach während der Pressekonferenz zum Abschluss einer Kabinettssitzung in Ankara vor laufenden Kameras in Tränen aus.