Demonstration der Fridays-for-Future-Bewegung in der Straße des 17. Juni im Tiergarten in Berlin; Quelle: Christophe Gateau/dpa

Die Menschheit durchlebt gegenwärtig turbulente Zeiten. Knapp 71 Millionen Menschen sind laut UN-Angaben global auf der Flucht. Zuletzt gab es während des Zweiten Weltkriegs ähnlich große Flüchtlingsbewegungen. Nicht nur Bürgerkriege, auch Dürren zerstören die Lebensgrundlage vieler Menschen. Angesichts des schleppend verlaufenden Kampfes gegen die globale Erderwärmung wird sich das Problem zukünftig verschärfen.

Young Leaders Forum für mehr Nachhaltigkeit

In diesen unruhigen Zeiten fing ein damals 15-jähriges schwedisches Mädchen an, alleine zu demonstrieren, ein Jahr später ist daraus eine globale Bewegung geworden. Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte Fridays for Future am Freitag vor zwei Wochen, als in dutzenden Ländern und Städten zeitgleich protestiert wurde. Allein in Berlin kamen unweit des Regierungsviertels laut Polizeiangaben 270 000 Menschen zusammen.

Aber wie kann auch die muslimische Community in Deutschland ihren Beitrag dazu leisten? Diese Frage nahm die in Berlin ansässige Stiftung für Dialog und Bildung zum Anlass, das Hizmet Young Leaders Forum ins Leben zu rufen. Am Tag nach dem Klimastreik kamen 20 junge muslimische Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik zusammen. In sechs Stunden gab es neben einer Kennenlernphase auch offene Diskussionsrunden, Workshops und Gruppenarbeit. Dadurch erarbeiteten die Forum-Teilnehmer Vorschläge für mehr Nachhaltigkeit in islamisch geprägten Haushalten.

Fleisch ist den Türken heilig

Bei der Betrachtung muslimischer Haushalte in Deutschland ging es schnell auch um den hohen und beliebten Fleischkonsum. Denn auch außerhalb der Iftar-Mahlzeiten im Ramadan ist Fleisch auch sonst ein sehr beliebter Bestandteil der orientalischen Küche. Zu viel Fleisch zu essen beeinträchtigt aber nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Klima. Schon jetzt nutzt die Menschheit zwei Drittel der eisfreien Landfläche auf der Erde für die Landwirtschaft und die Tierzucht. Den Konsum von Fleisch zu reduzieren, würde hier Abhilfe schaffen. Jedoch hält sich die Bereitschaft, weniger Fleisch zu essen, in Grenzen. Dabei gehen aus dem Global Consumer Survey merkliche Länderunterschiede hervor. So gab nur knapp jeder fünfte Befragte in der Türkei an, den Fleischkonsum senken zu wollen. In Deutschland versucht immerhin jeder Dritte, seinen Verzehr von Fleisch zu reduzieren.

Nachhaltigkeit im Islam

Das Young Leaders Forum erörterte auch die Frage, inwiefern Nachhaltigkeit mit dem Islam in Verbindung steht. Denn in den letzten Jahrzehnten war mehr Umweltschutz ein eher abendländisches Phänomen. Bewegungen oder Parteien in muslimischen Ländern, die für Klimaschutz kämpfen, sind rar. Doch gerade Muslime sollten sich hier angesprochen fühlen. Dem islamischen Verständnis nach hat Gott nämlich die Tiere, die Pflanzen und die gesamte Umwelt für den Menschen erschaffen. Daraus folgt auch die Pflicht für die Menschheit, damit verantwortungsbewusst umzugehen. So heißt es in der Sure Al-Araf: „Und esst und trinkt, aber seid nicht maßlos! Er (Allah) liebt nicht die Maßlosen“ (7:31). Ungebremst Fleisch zu essen, könnte also auch auf dieses Gebot bezogen werden.

Daneben lässt sich auch zwischen der Plastikepidemie in den Weltmeeren und einem weiteren Vers eine Verbindung herstellen. So heißt es in der Sure Ar-Rum: Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben, damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben, auf dass sie umkehren mögen“ (30:41). Auf die Gegenwart übertragen stellt man eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Nahrungskreislauf fest: Der menschengemachte Plastikmüll, der die Weltmeere belastet, wird von Fischen und anderen Meerestieren gefressen. So landet es in Form von kleinen, in den Meerestieren enthaltenen Mikropartikeln wieder auf unseren Tellern.

Das Forum möchte dazu anregen, unser Konsum- und Essverhalten auf den Prüfstand zu stellen, damit wir zumindest nicht mehr mehrmals pro Woche Fleisch essen, nicht für einen Tag mit einer Billig-Airline verreisen oder unseren Abfall in der Umwelt zurücklassen.