Immer häufiger im Fokus von Rechtsextremisten: Spieler des Drittligisten Türkgücü München. Foto: turkgucu.de

Der Drittligist Türkgücü München ist schon länger im Visier der rechten Szene. Eine rechtsextremistische Kleinstpartei marschierte bereits bei einem Auswärtsspiel des Münchner Fußballklubs auf – und die Vorfälle häufen sich. Indes zeigen Fußballprofis gemeinsam Flagge gegen Hass uns Hetze.

Türkgücü München steht offenbar im Fokus einer bundesweiten Hetzkampagne der rechtsextremistischen Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg). In sozialen Medien bezeichnen Neonazis den Drittligisten als „reinen Ausländerverein“, der „nicht willkommen“ sei.

Zuletzt mobilisierte der III. Weg Ende Januar gegen den deutsch-türkischen Verein aus der bayrischen Landeshauptstadt vor einem Auswärtsspiel des Vereins beim 1. FC Kaiserslautern. Rund um die Spielstätte und in der Innenstadt der rheinland-pfälzischen Kleinstadt verteilten stramm rechte Kader Tausende Flugblätter.

Gegen Ausländer – und Kommerz im Fußball

Der III. Weg versuchte in der Kampagne, rassistische und rechtsextremistische Propaganda mit populärer Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs zu verbinden. Deswegen steht immer wieder auch der Mäzen des Klubs Hasan Kıvran im Fokus der Neonazis. Seit Beginn seines Engagements bei Türkgücü klettert der Verein von Liga zu Liga. Der Unternehmer fungiert auch als Präsident. Jüngst polarisierte er mit Rückzugsdrohungen (DTJ-Online berichtete).

Bereits im Oktober 2020 wurde Türkgücü beim Auswärtsspiel gegen den FSV Zwickau zur Zielscheibe von Rechtsextremisten. Vermummte Anhänger der Neonazi-Partei und vermeintliche Zwickau-Fans marschierten vor dem Stadion auf. Sie hielten ein Banner mit dem Schriftzug „Türkgücü NICHT willkommen“ hoch.

Rassistische Vorfälle häufen sich

Erst Anfang Oktober wurde der Türkgücü-Spieler Yi-Young Park im Spiel gegen Waldhof Mannheim von Mannheim-Fans massiv rassistisch beleidigt. Die Vorfälle häufen sich.

Im Interview mit DTJ-Online hatte Türkgücü Geschäftsführer Max Kothny bereits vor der Saison mit rassistischen Vorfällen gerechnet: „Für mich ist es einfach nur traurig, dass wir mit Anfeindungen rechnen müssen. Hass und Hetze haben im Fußball überhaupt nichts verloren.“

„Hass ist keine Meinung“

Dass der Ton gegenüber Fußballspielern rauer wird, zeigt auch eine gemeinsame Aktion von 14 Fußballprofis rund um den deutschen Starspieler Toni Kroos. Mit einem Video, in dem sie Hassnachrichten vorlesen, wollen sie auf Cybermobbing und Hass im Internet aufmerksam machen.

Zum Teil enthält das Video anonyme Morddrohungen gegen die Fußballer. Unter dem Hashtag #UniteAgainstHate fordern die Beteiligten: „Hate Speech und Cybermobbing sind ein Verbrechen, das viel zu oft ohne Konsequenzen bleibt.“

An der Aktion nahm auch der in Ravensburg geborene und derzeit für Werder Bremen aktive Ömer Toprak teil (im Video ab 0:30). Der 27-malige türkische Nationalspieler wird darin offensichtlich von einem nationalistischen türkischen Fan als Hu******* und Ba***** beleidigt und aufgefordert, der Türkei fernzubleiben. Am Ende des Videos sticht eine Aussage heraus: „Hass ist keine Meinung!“