Kontroverse Reaktionen hat eine Aufforderung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an alle europäischen Juden ausgelöst, Europa zu verlassen. Netanjahu hatte die Juden in Europa nach den Anschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge in Kopenhagen zur Auswanderung in den jüdischen Staat ermuntert.

„Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren“, sagte Netanjahu, der sich derzeit im Wahlkampf mit Blick auf die bevorstehenden Neuwahlen zur Knesset am 17. März befindet, am Sonntag während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. „Diese Terrorwelle wird weitergehen.“ Er wende sich an die Juden in Europa: „Israel ist eure Heimstätte.“ Auf die Anschläge in Paris im Januar, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanjahu bereits mit einem ähnlichen Aufruf reagiert.

Der Oberrabbiner für Dänemark, Jair Melchior, zeigte sich über diese Äußerung jedoch „enttäuscht“. „Terror ist kein Grund, nach Israel zu ziehen“, sagte Melchior gegenüber der israelischen Tageszeitung „Haaretz“.

Keine Zustimmung zu Netanjahu, aber Forderungen nach mehr Schutz

Allerdings forderten jüdische Institutionen nach dem Terror, der sich am Samstag gegen ein Kulturcafé und eine Synagoge richtete, in welcher gerade eine Bar Mitzvah im Gange war, stärkere Sicherheitsmaßnahmen in Europa.

Die Europäische Jüdische Vereinigung sprach sich beispielsweise für eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung jüdischer Einrichtungen aus. Ihr Generaldirektor Menachem Margolin warf den politischen Führern der Europäischen Union vor, nicht genug gegen antisemitische Attacken und Vorurteile zu unternehmen.

Auch solle eine europäische Task Force gebildet werden, um jüdische Institutionen besser zu schützen und im Bildungswesen die Anstrengungen gegen die Ausbreitung des „pandemischen Antisemitismus“ in Europa zu verstärken.

„Europäische Führer sollen uns dabei helfen, den Terror in unserer Heimat zu bekämpfen“, betonte Margolin. (dpa/dtj)