ARCHIV - ILLUSTRATION - Am Neubau der Moschee fahren am 05.02.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) Autos vorbei.   Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa:«NRW-Innenminister beendet Kooperation mit Islam-Verband Ditib») +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nordrhein-Westfalen hat eine Projektkooperation mit der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) beendet. Die Organisation war Träger des Kölner Standortes des Präventionsprogramm „Wegweiser“, mit dem die Landesregierung Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus schützen will.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) teilte laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Montag) in einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine CDU-Anfrage mit, dass der Vertrag von beiden Parteien einvernehmlich aufgelöst worden sei. Auch die Ditib sprach am Montag in Köln von einem einvernehmlichen Ende des Vertrags, zugleich aber auch von einem „gravierenden Vertrauensbruch“.

Vorausgegangen war die Auseinandersetzung um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in dem der Märtyrertod verherrlicht wird. Das Innenministerium habe Ditib NRW zu einer Stellungnahme hierzu aufgefordert, so Jäger. „In dieser Stellungnahme konnte keine für einen Träger des Präventionsprogramms Wegweiser notwendige klare Neutralität bzw. ausreichende Distanz davon festgestellt werden.“

Laut Ditib hat der Landesverband deutlich gemacht, dass er den Comic nicht zu Bildungszwecken einsetze. Er sei aber der Versuch, Kindern das Schicksal von im Krieg oder bei Terroranschlägen getöteten Opfern zu erläutern und ihnen Trost zu spenden. Zugleich habe die Ditib gegenüber der Landesregierung aber darauf bestanden, ihre „Deutungshoheit über islamische Begriffe“ so zu nutzen, dass ihr Missbrauch für Extremisten unmöglich werde. Darüber habe das Ministerium aber keine öffentliche Diskussion führen wollen, weshalb der Landesverband keinen Sinn mehr in der Zusammenarbeit gesehen habe.

Über einen Beirat bestimmt die in der Kritik stehende Ditib auch über die Inhalte für den islamischen Religionsunterricht an den Schulen in Nordrhein-Westfalen mit. Wegen zu großer Nähe zur türkischen Regierung und dem türkischen Präsidenten Erdoğan fordert die Opposition das Ende dieser Beteiligung.

Allerdings ist auch „Wegweiser“ umstritten: Der Anschlag auf einen Sikh-Tempel Anfang Juni ging auf das Konto von salafistisch geprägten Jugendlichen, von denen mindestens einer vom Programm betreut wurde. (kna/dtj)