„Birlikte“ heißt „gemeinsam“ oder „zusammen“. Und unter diesem Motto wird aus Anlass des zehnten Jahrestages des neonazistisch motivierten Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße vom 7.-9. Juni 2014 ein mehrtätiges Kunst- und Kultur-Event veranstaltet, das von einer Kundgebung begleitet werden soll, die an die Opfer erinnert und sich explizit gegen Neonazis, Rassismus und Ausgrenzung richtet.

Der Anschlag vor zehn Jahren, der dem neonazistischen sog. „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zugeordnet wird, hat sich tief ins kollektive Bewusstsein der Bevölkerung eingebrannt. 22 Menschen wurden durch den Anschlag verletzt, vier davon schwer. Die ermittelnden Behörden und Innenminister schlossen schnell einen rechtsextremistischen Hintergrund für den Anschlag aus und ermittelten stattdessen gegen Verwandte und Angehörige der Opfer – unter der Prämisse, es würde sich um kriminelle Auseinandersetzungen im Einwanderermilieu handeln.

Dass Neonazis für die Bluttat, bei der nur durch Zufall kein Mensch sein Leben verlor, verantwortlich waren, wurde erst eingeräumt, nachdem im November 2011 die Zwickauer Terrorgruppe aufgeflogen war.

Opfer der Nagelbombe sagt in München aus

Im NSU-Prozess hat am gestrigen Mittwoch eine junge Deutsch-Iranerin, die 2001 des Anschlags in der Keupstraße geworden war, in beeindruckend klaren Worten von den damaligen Ereignissen und ihren Verletzungen berichtet. Sie schilderte, wie sie im Geschäft ihrer Eltern in Köln nichtsahnend eine Christstollendose öffnete und dadurch die Bombe zur Explosion brachte.

„Da war ein lauter Knall, helles Licht, dann wurde alles dunkel“, sagte die Frau am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Sie habe massivste Schmerzen gehabt, habe aber nicht schreien, nicht reden und nichts sehen können. „Mir war von Beginn an klar, das muss eine Explosion gewesen sein“, sagte sie. Die Dose sollen die am 4. November 2011 unter mysteriösen Umständen in einem Wohnmobil im thüringischen Eisenach ums Leben gekommenen angeblichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt einigen Wochen zuvor in dem Laden zurückgelassen haben – in seinem „Paulchen-Panther-Video“ hat sich der sog. NSU zu der Tat bekannt.

Verbundenheit mit den Opfern unterstreichen

Das Projekt „Birlikte“ möchte nun die Tat und den rassistischen Terror dem Vergessen entreißen. Man wolle Einigkeit demonstrieren und ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen, heißt es in der dazu veröffentlichten Erklärung. Dabei beruft man sich auf die Worte Semiya Şimşeks, der Tochter des im Jahr 2000 von den Terroristen ermordeten Enver Şimşek: „Wir alle, gemeinsam, zusammen, nur das kann die Lösung sein.”

„Birlikte“ will die Verbundenheit mit den Opfern und deren Angehörigen unterstreichen und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung kämpfen. Auch wolle man ein Zeichen der Solidarität mit Menschen setzen, die heute Zuflucht in Deutschland suchen.

In einer gemeinsamen Fotoaktion haben sich auch zahlreiche prominente Unterstützer unter dem Motto „Eure Bombe galt auch mir!“ bereit erklärt, die Aktion zu unterstützen. Neben Künstlern werden auch Politiker der Veranstaltung beiwohnen und auf diese Weise ein Zeichen gegen rassistische Tendenzen in der Gesellschaft setzen.