NSU-Mörder kommen auf große Leinwand

Ein türkischer Filmemacher plant einen Film über die rassistischen Morde in Deutschland, bei denen größtenteils Türken zum Hauptziel der Terrorzelle mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden.

İsmet Pan, ein Darsteller und Regisseur, will einen Film über die Mordserie der Neonazis in Deutschland drehen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Hassverbrechen zu lenken, welche sich gegen türkische Menschen, die dort leben, gerichtet hatten.

Acht türkische Bürger, ein griechischer Bürger und eine deutsche Polizistin wurden zwischen 2000 und 2007 ermordet. Die Morde wurden unter der zynischen Bezeichnung „Döner-Morde” bekannt. Der Hintergrund blieb allerdings bis 2011 unklar, als aufgedeckt wurde, dass eine Neonazi-Truppe hinter den Gräueltaten steckte.

Die Aufdeckung der Terrorzelle wuchs sich in Deutschland zu einem Skandal aus, da die Untersuchungen mögliche Verbindungen zwischen dem deutschen Verfassungsschutz und den Neonazis offenlegten. NSU-Mitglied Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer der Terrorzelle wird derzeit im Oberlandesgericht München der Prozess gemacht. Das eigentliche Mördertrio wurde entdeckt, nachdem Zschäpes mutmaßliche Mittäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot in einem Wohnmobil gefunden worden waren.

Pan gab gegenüber „Today`s Zaman“ an, sein Ziel sei es, die Morde an oberster Stelle auf der politischen Agenda zu halten. Der unverbindliche Arbeitstitel des Films ist „SOKO Bosporus”. SOKO ist der Name einer speziellen Polizeieinheit, die in Deutschland arbeitet. Der Film soll die Geschichte der NSU-Morde anhand des Türken Tayfun Sezai erzählen, der für die SOKO arbeitet und deren Familienangehörige von den Morden betroffen waren. Sezai kündigt seine Stelle bei der SOKO aus Protest gegen die deutsche Polizei, nachdem er gesehen hat, dass die Polizei sich nicht bemühte, die Mörder zu stellen. Er entscheidet sich, alleine die Mörder zu finden. Dabei wird er von seinem Bruder unterstützt, der in viele illegale Geschäfte verwickelt war.

Opfer wie Täter behandelt

Pan erklärte „Today’s Zaman“, wie er sich dazu entschied die Morde zu verfilmen und betonte dabei, dass die Ungerechtigkeiten und die Verdächtigungen, die während der deutschen Ermittlungen zu den Morden ans Licht kamen, ihn dazu motivierten, einen Film zu drehen.

„Zuerst untersuchte ich das Arbeitssystem der deutschen Polizei, dann sprach ich mit den Familien der Opfer. Die meisten Familien sagten, dass sie ihre Aussagen unter immensem Druck der deutschen Polizei machen mussten. Die Verwandten der Opfer der NSU-Morde sagten, dass die Polizisten, die sie verhörten, sehr parteiisch waren. Sie wurden so verhört, als wären sie selbst schuldig gewesen. Abgesehen von der Art, wie sich die Polizisten gegenüber den Familienangehörigen der Opfer verhielten, motivierte mich auch die Fahrlässigkeit des Verfassungsschutzes. Ein V-Mann, der dafür bekannt ist, Verbindungen mit dem NSU gehabt zu haben, wurde von der Polizei trotz zahlreicher Dokumente und Waffen des NSU, die in seinem Haus gefunden wurden, freigelassen. Wenn dieser Verfassungsschützer frei herumlaufen darf, wie können wir uns da sicher fühlen?”, so Pan.

Er fügte hinzu, dass er im Allgemeinen positive Reaktionen von Deutschen erhalte. Die meisten Deutschen, zu denen er gesprochen hätte, schämten sich für die fahrlässige Einstellung der Polizei und der staatlichen Behörden.