Wie denken Deutsch-Türken über ihre Zukunft?
Wie denken Deutsch-Türken über ihre Zukunft?

Wo wollen in Europa lebende Türken nach ihrem Tod beerdigt werden? Mit insbesondere dieser Frage habe ich mich in den letzten Wochen beschäftigt. Mit meinen Kollegen Hüseyin Topel und Mirza Odabaşı durfte ich für einen türkischsprachigen Sender Interviews führen, die dann am Ende in Form einer Dokumentation veröffentlicht werden sollen. Die Dokumentation handelt von den Sorgen und Problemen der in Europa lebenden Türkeistämmigen und wird in insgesamt 13 Folgen veröffentlicht. Unsere Auftraggeber sitzen in Istanbul, was das ganze Thema eigentlich so spannend macht. Die Spanne zwischen ihren Vorstellungen und der Realität fällt dann doch sehr groß aus.

Es hat sich viel verändert mit der Zeit. Nicht nur die Entwicklung in technologischem Sinne. Auch auf sozialer und gesellschaftlicher Ebene sind große Entwicklungen bzw. Veränderungen zu erkennen.

Nur warum dies beispielsweise unsere Auftraggeber nicht verstehen wollen, ist für mich rätselhaft. Anscheinend ist das aber tatsächlich die Meinung vieler in der Türkei-lebenden Türken. Natürlich haben Deutsch-Türken oder in Europa lebende Türken viele Probleme, ja… Für diese Probleme werden aber hier Lösungen gesucht. Es herrscht also kein Zustand wie in den 90er Jahren, als regelmäßig Häuser von Türken brannten.

Auch ältere Menschen möchten in Deutschland beerdigt werden

Der Meinung waren unsere Auftraggeber aber. Man habe doch viele Probleme sagt man uns, nachdem wir die ersten Interviews nach Istanbul versenden. In unseren Interviews gäbe es ja nur positive Aussagen über Deutschland. „Das können wir so nicht verwenden!“ Interessant war dies für uns, aber auch enttäuschend. Nicht etwa, weil wir uns neue Interviewpartner suchen mussten… Sondern, wie in der Türkei über unsere Landsleute hierzulande gedacht wird. „Haben wir denn tatsächlich so viele Probleme hier oder sind diese Aussagen falsch und entsprechen nicht der Realität?“ fragten wir uns. Besonders die Antwort eines älteren Herren war nicht befriedigend für unsere Auftraggeber. Er sagte nämlich, er wolle nach seinem Tod im Ruhrpott beerdigt werden, nicht in an der Schwarzmeerküste in Trabzon: „Alle meine Kinder leben hier. Die sollen mich auch dann regelmäßig besuchen, wenn ich gestorben bin. In der Türkei wäre das nicht möglich. Deshalb habe ich bereits zwei Gräber in Gelsenkirchen angepachtet“, erzählt er. Aber nein, die meisten würden doch in der Türkei begraben werden wollen. Das wüssten sie auf ihren Stühlen in Istanbul besser als die tatsächlich davon betroffenen.

Verschwörungstheorien anreizend

Interessant sind die Aussagen unserer türkischen Auftraggeber allemal. Sie spiegeln eigentlich genau das wieder, was die Mehrheit der türkischen Bevölkerung denkt. Das sind Dinge, die wir als Deutsch-Türken in jedem Sommerurlaub von Verwandten in der Türkei zu hören bekommen. Es ist aber ganz klar ein veraltetes Bild. Ein Bild von vor mindestens 15 Jahren. Aber wenn schon Medienmacher so denken und arbeiten? Es sollte zu denken geben.