BVB-Star Nuri Sahin und das Logo des türkischen Fußballverbandes.

Die türkische Nationalmannschaft verpasste in der letzten Woche die dritte Weltmeisterschaft in Folge. Nach dem sensationellen dritten Platz bei der WM 2002 in Japan und Südkorea musste die Türkei bei den Großturnieren in Deutschland (2006) und Südafrika (2010) zuschauen. Auch im kommenden Sommer wird die WM in Brasilien ohne die Türkei stattfinden. Nach drei vergeblichen Anläufen werden Rufe nach einer Neustrukturierung des Fußballs im 70-Millionen-Einwohner-Land laut. Borussia Dortmunds Mittelfeldstar Nuri Şahin ist mit der aktuellen Situation ebenfalls sichtlich unzufrieden und rief deshalb den türkischen Fußballverband TFF zum Handeln auf.

„Uns fehlt die Nachhaltigkeit“

Vor dem anstehenden Champions-League-Spiel seiner Mannschaft gegen den FC Arsenal wurde Nuri Şahin im Interview mit dem Kicker auf das WM-Qualifikationsaus der Türkei angesprochen, nahm sich dabei zur akuten Lage des türkischen Fußballs kein Blatt vor den Mund und prangerte die Strukturen im fußballverrückten Land an: „Wir sind einmal dabei, dann wieder ein paarmal nicht. Uns fehlt die Nachhaltigkeit. Daher gibt es nichts schönzureden.“

Türkisches Geld fließt in ausländische Stars

Die Riesenbaustelle TFF hat viel Arbeit vor sich, wenn es um die Konkurrenzfähigkeit in Europa geht. Während sich die meisten europäischen Länder fußballerisch entwickeln und selbst „Fußball-Zwerge“ wie Island die WM-Playoffs erreichen, ist der türkische Fußball seit Jahren von Skandalen, Instabilität, inneren Konflikten und Unbeständigkeit geprägt. In der Süper Lig geben die Vereine trotz bestehender Ausländerregelung weiterhin viel Geld für ausländische und teilweise in die Jahre gekommene Stars aus, statt auf Eigengewächse zu setzen.

„Einen Strich ziehen und komplett aufräumen“

Für den 25-jährigen Nationalspieler, der selbst bereits im Alter von 17 Jahren für die Türkei debütierte und in seinem ersten Länderspiel ein Tor gegen Deutschland erzielte, gibt es nur einen Weg aus der Misere: „Man muss einmal einen Strich ziehen und komplett aufräumen. Wir sollten von der F-Jugend bis in die Spitze untersuchen, was wir falsch, was wir richtig machen oder was wir verbessern können.“ Şahin sprach damit sicherlich den meisten türkischen Fans aus der Seele. Denn wer den türkischen Fußball im letzten Jahrzehnt gut verfolgt hat, erkennt, dass die Leistungen nicht mal mehr stagnieren, sondern dass es mittlerweile einen Negativtrend gibt. Statt verlorener Playoffs prägt nun auch das Aus in der Qualifikationsgruppe das Bild der türkischen Nationalmannschaft.

„Spiele beim BVB besser als in der Nationalelf“

Vorbildlich seien laut Şahin die Strukturen im deutschen und neuerdings auch im belgischen Fußball. Deutschland und Belgien könnten der Türkei also als gutes Vorbild dienen. „Es ist extrem, was die Belgier auf die Beine gestellt haben. Ich behaupte: Wir als türkische Spieler besitzen dieses Potenzial auch. Die Frage ist nur, warum wir es nicht abrufen. Auch ich spiele in der Nationalmannschaft nicht auf dem Niveau wie in Dortmund“, stellte der 43-malige Nationalspieler fest und erhofft sich von seinem Appell an den türkischen Fußball eine gewisse Resonanz.