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Die türkische Tageszeitung „Taraf“ hat nach eigenen Angaben einen Entwurf des nächsten OECD-Berichts für die Türkei erhalten. Die Veröffentlichung des Berichts war eigentlich erst für den Juni 2014 vorgesehen – doch bereits jetzt versetzt der interne Entwurf die Politiker Ankaras in Alarmbereitschaft. „Dies wird eines der härtesten Berichte der OECD über die türkische Wirtschaft“, zieht die Taraf als Fazit.

Die OECD spart im aktuellen Bericht nicht mit Kritik an der türkischen Regierung. Die Spannungen innerhalb der türkischen Bevölkerung seit den Gezi-Protesten im Juni 2013 und der autoritäre Führungsstil der AKP hätten ausländische Investoren extrem verunsichert und die türkischen Märkte auf wacklige Beine gestellt. International tun die aktuellen Konflikte in Syrien an der türkischen Grenze und in der Ukraine ihr Übriges, um die Menschen und in weiterer Folge auch die Märkte zu verunsichern.

Die Türkei brauche aktuell einen Kapitalzufluss von 227 Milliarden US-Dollar im Jahre 2014, was derzeit 28% des Bruttoinlandsprodukts entspräche, um die Schulden im Ausland und das Leistungsbilanzdefizit dieses Jahres ausgleichen zu können. Das Leistungsbilanzdefizit, also die Tatsache, dass weitaus mehr ausländische Güter importiert als türkische Güter exportiert werden, und die hohe Inflationsrate stellen derzeit die größten Schwachstellen in der türkischen Wirtschaft dar.

Zentralbank als Lichtblick

Weiterhin habe die OECD die Erwartungen an das türkische Wirtschaftswachstum von 3,8 Prozent auf 2,8 Prozent zurückgeschraubt. Selbst die 2,8 Prozent werden von der OECD aber offen angezweifelt, da auch das Konsumklimaindex nach unten tendiert und dieser Abwärtstrend sogar bis Mitte 2015 prognostiziert wird.

Im Hintergrund sollen bereits hochrangige türkische Beamte versuchen, sich mit OECD-Funktionären zu treffen, um bis zur finalen Veröffentlichung im Juni die Schärfe aus dem Bericht herauszunehmen. Es wird befürchtet, dass allein der Bericht als solcher ausländische Investoren noch mehr verunsichert und die Wirtschaft zusätzlich schwächeln lässt.

Weiterhin werde dem OECD-Entwurf zufolge die Inflation in der Türkei ansteigen. Im April veröffentlichte das türkische Statistikinstitut TurkStat Daten über eine Inflationsrate von 9,38% innerhalb eines Jahres – international gilt eine Inflationsrate von 2% als gerade noch akzeptabel. Der OECD zufolge sei ein Ende der Inflation kurzfristig nicht in Sicht aufgrund der schwachen Lira und gleichzeitigen Steuererhöhungen im Januar.

Als positiven Lichtblick lobt die OECD die türkische Zentralbank. Die letzten Zinserhöhungen wären eine richtige Entscheidung gewesen und stärkten das Vertrauen in die türkische Fiskalpolitik.