Akif Pirincci war vergangene Woche zu Gast im ZDF.

Rassisten und Rechtspopulisten jubeln: Zunächst über die Einladung ihres Idols Akif Pirinçci ins ZDF-Mittagsmagazin, dann über den „Zensurfall“ desselben. „Erwischt!“, unkt das Netz – zumindest dessen rechter Rand. Ein Teil der Sendung verschwand heimlich, still und leise in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Mediathek. Die Denunziation der von Pirinçci behaupteten „grün-versifften Politik“ beibehaltend, wurde der Beitrag ohne die Bezeichnung der Grünen als „Kindersexpartei“ wieder veröffentlicht. Das Original in Youtube, das beispielsweise die AfD hochgeladen hat, belegt den Zensurversuch des ZDF.

Man muss sich fragen, ob die gefällig grinsende Moderatorin in ihrer Vorbereitung auf das Interview nicht auf Beiträge des Hofierten auf der Achse des Guten gestoßen ist, wo dieser bereits seit Monaten eine Plattform für seine verbalen Ausfälle bekommt: zum Beispiel mit einem Text vom 25.03.2013, „Das Schlachten hat begonnen“,  oder vom 11.05.2013 unter dem Titel „Die Lügenpartei“. Unter Meinungsfreiheit fällt hier anscheinend das Ausbreiten von Fäkalsprache zur Unterfütterung von Allgemeinplätzen, wie sie Sarrazinanhänger und andere Rechtspopulisten gerne hören. Dass man als ZDF durch die Live-Ausstrahlung ausgerechnet eine Parodie auf den eigenen Leitspruch sendet, mutet da schon fast wie Selbstironie an: „Mit dem Arschloch sieht man besser“.

Was mag die Programmverantwortlichen des ZDF dazu bewogen haben, diesen unflätig daher redenden Buchautor überhaupt einzuladen und ihm dann nicht einmal ein auch nur ansatzweise journalistisches Gegenüber zu bieten? Wollte man nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die fehlende Staatsferne des ZDF nun durch Parteienschelte eine solche Staatsferne suggerieren? Da hätte es freilich intelligentere Gesprächspartner gegeben. Aber eine professionelle Moderatorin hätte zumindest schon noch etwas bewirken können.

Damit auch dem PI-Publikum Sendezeit zusteht

Pirinçcis Fans auf der islamophoben Hass-Seite Politically Incorrect fühlen sich nicht nur in ihrer Beschimpfung „links-rot-grün-versiffter“ Politik und Medien bestätigt, sondern auch in dem, was sie über Türken und Muslime behaupten. Ein Kommentar zur wiederum plattformgebenden Bild am Sonntag lautet: „Er ist keineswegs deutscher als jeder Deutsche. Er ist türkischer Abstammung und kann nur deshalb halbwegs straffrei die Wahrheit schreiben“. Die gute alte „Kronzeugenregelung“ lässt grüßen, nachdem es um die Necla Keleks und Bassam Tibis etwas ruhiger geworden ist.

Das ZDF sendet ja mitnichten alles, was es produziert. Und viele Themen werden erst gar nicht angenommen. Da kann niemand die Zensur ahnen. In den letzten Jahren hat sich jedoch eine Tendenz Bahn gebrochen, die auch vor dem ZDF nicht haltmacht: Unter dem Label der Meinungsfreiheit fällt zusehends blanker Rassismus. Dieser wird gerne als Gegenhalten wider die Political Correctness gefeiert.

Wird Seriosität aus Sicht des ZDF überbewertet?

Es ist aber nicht „politisch korrekt“, wenn man sich gegen Falschaussagen wie die folgende positioniert: „Als wir [aus der Türkei nach Deutschland] kamen, waren wir für die Deutschen da. Man wollte von meinen Eltern die Arbeitskraft. Das hat sich durch die grün-versiffte Politik, grün-rot-versiffte Politik alles umgedreht. Das Einwanderungsland ist jetzt für die Einwanderer da. Die nächste Stufe wird sein, dass man sie zu Heiligen oder sowas erklärt“, so der heftig für sein Buch werbende Pirinçci im ZDF. Es ist schlicht falsch. Seine Behauptungen widersprechen einfach jeder halbwegs seriösen Forschung zu Diskriminierungsstrukturen und der Faktenlage im Alltag. Allerdings machen seine ausgiebig genutzte Gossensprache und die Denunziationen auch deutlich, dass es ihm nicht um Seriosität geht. Ebenso wenig wie dem ZDF anscheinend.