Real Madrid Trainer: Ancelotti

Im vergangenen Sommer wechselte Mesut Özil völlig unerwartet für ca. 50 Millionen Euro von Real Madrid zum FC Arsenal. Nach einem halben Jahr trauert nun Carlo Ancelotti dem nach England abgewanderten Spielmacher hinterher und bereut diese Personalentscheidung. Gegenüber der englischen Zeitung „Express“ erklärte der Trainer von Real Madrid, dass es ein Fehler gewesen sei, den deutschen Nationalspieler an die „Gunners“ abzugegeben: „Es war ein großer Fehler, Özil zu verkaufen. Ich glaube, dass wir ihm nicht die Möglichkeit hätten geben dürfen, den Club zu verlassen.“

Nach diesem Eingeständnis des italienischen Coaches dürften sich nun die Anhänger des spanischen Vizemeisters bestätigt fühlen. Denn sie waren es, die nach der Bekanntgabe des Deals noch „Özil no se vende“ („Verkauft nicht Özil“) skandierten. Doch Real-Präsident Florentino Perez ging es viel mehr ums Prestige, nachdem der FC Barcelona mit Neymar den wohl begehrtesten Brasilianer unter Vertrag nahm. Perez beharrte auf einem nationalen Gegengewicht zur Neuverpflichtung des Erzrivalen und holte Gareth Bale von Tottenham Hotspur in die spanische Hauptstadt. Dieser Transfer kostete den „Galaktischen“ eine königliche Ablösesumme von 91 Millionen Euro. Um diese Ablösesumme stemmen zu können, erteilte der Champions League-Rekordsieger unerwartet noch kurz vor Schließung des Transferfensters Özil die Freigabe.

Mit Özil ist Arsenal ein ernstzunehmender Titelaspirant

Es dauerte auch nicht lange, bis man im Estadio Santiago Bernabeu dem ehemaligen offensiven Mittelfeldspieler nachweinte. „Real fehlt ein Fußballer wie Mesut Özil, der mit seinen Geistesblitzen für Licht sorgt, wo sonst nur Finsternis herrscht“, schrieb einige Wochen später beispielsweise die spanische Zeitung „El Pais“ nach der 0:1-Heimniederlage im Lokalderby gegen Atletico Madrid. In seiner neuen Wahlheimat in London herrschte eine große Euphorie um den 25-Jährigen. Und das nicht umsonst: Denn die Fans von Arsenal London träumen mittlerweile wieder vom ersten Meistertitel seit zehn Jahren. Nach 21 Spielen steht das Team von Arsene Wenger an der Tabellenspitze der Premier League, einen Punkt vor Manchester City und zwei Zähler vor Chelsea London, dem Klub von Özils Ex-Trainer José Mourinho. Den Platz an der „Pole Position“ verdankt Arsenal besonders seinem neuen Spielgestalter, auch wenn dessen Leistungskurve zuletzt ein wenig nach unten zeigte.

„Er hat die Gelassenheit am Ball in den ganzen Klub gebracht“

Im Gegensatz zu Ancelotti will Özil jedoch nichts von Reue wissen: „Es hat sich viel getan in meinem Leben. Aber nichts, was ich bereuen würde.“ Mit der Verpflichtung des gebürtigen Gelsenkircheners setzte Arsenal ein gewaltiges Ausrufezeichen. Der Deutschtürke bildet den Dreh – und Angelpunkt im Spiel der Londoner und ist kaum mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Ex-Gunner Thierry Henry ist ähnlicher Meinung: „Er bringt diese Gelassenheit am Ball mit, die du brauchst. Ich denke, er hat sie in den ganzen Klub gebracht. Er kann jeden Ball spielen. Er hat das, was man von einem Mittelfeldspieler will. Er hat Zeit. Es sieht so aus, als würde er nur für sich in seinem Garten spielen.“

Vier Treffer erzielte der „German Superman“ bislang in der Premier League und weitere acht legte er auf. Damit gehört er hinter Luis Suarez und Wayne Rooney (beide elf Assists) zu den drei besten Vorlagengebern auf der Insel. In allen Wettbewerben kommt Özil sogar auf fünf Tore und zehn Vorlagen. „Ich bin hochzufrieden mit meinem ersten halben Jahr. Ich habe das Gefühl, wirklich angekommen zu sein“, resümierte Arsenals Hoffnungsträger gegenüber der „Welt am Sonntag“.

Nicht mehr einer von vielen

Mit dem Wechsel zu den „Gunners“ machte Özil wohlmöglich den entscheidenden Schritt auf dem Weg zum unumstrittenen Weltklassespieler. Wo er noch bei Real zu einem von vielen gehörte, ist er unter Arsène Wenger nun der sportliche Anführer auf dem Platz. Özil hat es geschafft, einen wichtigen Reifeprozess abzuschließen. Während er in Madrid noch um den Ball bitten musste, um einen Freistoß zu treten, bekommt er ihn in London fast schon in die Arme gedrückt. Das Vertrauen der Londoner scheint ihn beflügelt zu haben und auch sein Trainer kommt ins Schwärmen, wenn er an seinen Schützling mit der Nummer 11 denkt: „Wenn du Mesut auf dem Platz siehst und dich dann nicht in ihn verliebst, hast du keine Ahnung von Fußball.“