Merkel mit Imam
Merkel mit Imam

Seit der Rede des nach einer zweifelhaften Kampagne zum Rücktritt gedrängten Ex-Präsidenten Christian Wulff zum 20. Tag der Deutschen Einheit, in welcher dieser ausdrücklich betont hatte, dass der Islam Teil Deutschlands ist, hat die politische Elite des Landes die muslimische Community als gestaltende Kraft im Gemeinwesen immer mehr aus dem Auge verloren.

Abgesehen von der unwürdigen Debatte, die nach dieser Rede entstanden ist, ist eine distanzierte Haltung der Bundesregierung, was das Leben der Muslime im eigenen Land angeht, spürbar.

So ist beispielsweise eine Grußbotschaft seitens der Bundesregierung zum Opferfest lediglich versteckt auf der Website zu finden, im Zusammenhang mit der es heißt „Staatsministerin Böhmer gratuliert Muslimen”.

Es stellt sich die Frage, wie viele Muslime es auf diese Weise überhaupt mitbekommen haben, dass Mitglieder der Bundesregierung überhaupt von diesem Festtag einer Religionsgemeinschaft mit mehreren Millionen Anhängern in Deutschland Notiz genommen haben. Auch in den Medien ist wenig über das Opferfest in Deutschland zu finden, stattdessen nur Terrorberichte aus Afghanistan, Irak oder anderen Krisengebieten, in denen Muslime leben.

Es fehlt immer noch an der Akzeptanz

Wieso will man Deutschmuslime nicht öffentlich anerkennen? Wie soll man das Verhältnis der Muslime zu Andersgläubigen in diesem Land stärken, wenn man an der Staatsspitze nach dem Grundsatz „Immer daran denken, nie darüber reden“ handelt? Und vor allem: Wie sollen Andersgläubige so die Muslime und den Islam in adäquater Weise kennenlernen?

Der Mehmet aus dem Türkeiurlaub ist nicht gleich der Mehmet aus der Nachbarschaft.

Es fehlt immer noch an der nötigen Akzeptanz der islamischen Religionsgemeinschaft in unserer Gesellschaft, auch in Politik und Medien.

Der russische Präsident Wladimir Putin hingegen tritt allen Vorwürfen gegenüber Muslimen in seinem Land entgegen und gratuliert ihnen öffentlich zum Opferfest – worüber das DTJ ausführlich berichtete.

Obama: „Kraftvolles Beispiel für positive Rolle des Glaubens“

Auch der US-amerikanische Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle haben sich mit einer offiziellen Grußbotschaft zum Opferfest an die muslimische Community ihres Landes gewendet.

So heißt es in der Grußbotschaft des Weißen Hauses:

„Michelle und ich übermitteln Muslimen auf der ganzen Welt unsere besten Wünsche für ein freudenvolles Eid al-Adha und gratulieren all jenen, die in diesem Jahr den Hajj ausüben. Während unsere muslimischen Nachbarn und Freunde sich zu Eid-Feiern versammeln, befinden sich auch viele amerikanische Muslime unter den drei Millionen Pilgern in Mitten einer der weltweit größten und am meisten diversen Zusammenkünfte, die uns an die gemeinsamen Wurzeln der abrahamitischen Religionen der Welt erinnert.

Um Eid al-Adha zu begehen, schließen sich Muslime auf der ganzen Welt mit Menschen aus anderen religiösen Gemeinschaften zusammen, um ihre Hilfe für jene anzubieten, die Hunger, Krankheit und Konflikte erleiden. Ihr Dienst ist ein kraftvolles Beispiel für die positive Rolle, die der Glaube spielen kann, wenn es darum geht, Gemeinschaften zum gemeinsamen Handeln und zum gemeinsamen Anpacken von Herausforderungen zu motivieren.

Im Namen des amerikanischen Volkes senden wir unsere Herzensgrüße in die Hajj-Saison. Eid Mubarak und Hajj Mabrouk.”

Mit Ausnahme der Amtszeit des Präsidenten Christian Wulff schien es in Deutschland undenkbar zu sein, dass das Staatsoberhaupt oder die Regierungschefin der muslimischen Community in diesem Umfang Aufmerksamkeit widmen würde.

Dabei sollte bei ca. 4 Millionen Muslimen in dieser Gesellschaft ein wenig Anerkennung doch nicht zu viel verlangt sein, oder?

* Dieser Leserbrief erreichte uns am 16. Oktober 2013