Heute genau vor 215 Jahren musste Napoleon Bonaparte zum ersten Mal seine Armeen zum Rückzug rufen und zwar während einer Schlacht gegen einen 91 Jahre alten Osmanen in Palästina.

Im 18. Jahrhundert versuchte die osmanische Regierung in Sachen Militärtechnik und Kriegsführung Anschluss an die führenden europäischen Mächte zu finden. Aus diesem Grund wurden militärische Berater aus Frankreich nach Istanbul eingeladen, um die osmanische Streitmacht zu modernisieren. Der wohl bekannteste französische Militärberater war Claude Alexandre de Bonneval, der später den Namen Humbaracı Ahmed Paşa erhielt. Die Stelle als Militärberater in der Hohen Pforte wäre beinahe auch an einen anderen aufstrebenden Militär gegangen: an Napoleon Bonaparte.

Die Autorin Zeynep Dramalı berichtet in ihrem Buch “Tarihi Tersten Okumak”, dass Napoleon im Jahre 1795 der französischen Revolutionsregierung einen Brief sandte, in dem er um die Anstellung als militärischer Berater bat. Der Grund dafür war, dass er nach dem Sturz der Jakobinerherrschaft als Parteigänger des führenden Jakobiner-Mitglieds Maximilien Robespierres zeitweise inhaftiert wurde und nach seiner Freilassung arbeitslos war. Der junge General betonte in dem Schreiben, dass die Zahl der französischen Berater in der osmanischen Armee nicht ausreichend seien.

Die Revolutionsregierung kam dieser Bitte jedoch nicht nach, da sie während der politisch instabilen Lage in Frankreich selbst von den militärischen Talenten Napoleons profitieren wollte.  Napoleon blieb daraufhin in Frankreich und stieg nach seiner Wiedereinstellung bei der französischen Armee schnell zu einem mächtigen Militär auf. Doch die osmanische Streitkraft sollte in Napoleons Leben noch eine entscheidene Rolle spielen.

Osmanen

Napoleons Alptraum: Cezzar Ahmed Paşa

Napoleon Bonaparte wurde während der französischen Revolution durch seine militärischen Erfolge berühmt. Den Durchbruch erlangte er im Jahre 1796, indem er den Italienfeldzug führte. Sein Sieg gegen Österreich und die Besetzung der Lombardei, des Rheinufers und Belgiens ebneten seinen Weg zur Macht auch auf politischer Ebene.  Auf Befehl der Revolutionsregierung brach er 1798 zu einem Feldzug in den Nahen Osten auf, der auch als “Ägyptischen Expedition” bekannt ist.

Wollte er zuvor noch als Militärberater die osmanische Armee unterstützen, beendete Napoleon durch die Besetzung Ägyptens den Frieden zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich.

Ziel des militärischen Unternehmens war sowohl die Eroberung Ägyptens, das damals Teil des Osmanischen Reiches war, als auch der restlichen osmanischen Gebiete auf der arabischen Halbinsel. Während der “Ägyptischen Expedition” kamen neben den Soldaten und Offizieren auch Künstler und Wissenschaftler an den Nil. Eben diese mitgereisten Akademiker gründeten nach der Besetzung Kairos das berühmte Institut d’Egypte.

Osmanischer Wesir stoppte Napoleons Vormasch im Nahen Osten

Napoleon plante mit seiner bis dato unbezwungenen Streitkraft als nächsten Schritt Palästina zu erobern. Nach anfänglichen Erfolgen in den Städten Jaffa und Gaza geriet der Vormarsch der französischen Armee bei Akkon jedoch ins Stocken.

Dort unterlag Napoleon nach 61-tägiger Belagerung der Stadt dem 91 Jahre alten erfahrenen Wesir der Osmanen, Cezzar Ahmed Paşa. Die Schlacht von Akkon gilt seitdem als großer Wendepunkt im Leben Napoleons. Einer Überlieferung nach sagte er im Bezug auf die Schlacht, dass er den ganzen Osten erobert hätte, wäre er nicht von dem osmanischen Paşa bei Akkon aufgehalten worden.

Die Niederlage sollte Napoleons Weg zur Macht in Europa jedoch nicht verhindern können. Am Ende der Revolution wurde der Korse dank seiner großen Popularität in der Armee und im Volk zum ersten Konsul ernannt. Drei Jahre später ernannte er sich zum Konsul auf Lebenszeit. 1804 folgte seine Selbstkrönung zum Kaiser von Frankreich.