Österreich: Polizei entdeckt Netzwerk von kriminellen Rechtsradikalen

Wien/Linz – 24 Menschen seien festgenommen worden, 10 davon säßen noch in Untersuchungshaft, teilte die Polizei Oberösterreich am Donnerstag mit. Einige der Männer seien wegen rechtsextrem motivierter Delikte vorbestraft, sagte eine Sprecherin. Den Verdächtigen wird unter anderem Raub, Einbruch, Nötigung, Körperverletzung, Drogen- wie Waffenhandel und die Organisation illegaler Prostitution vorgeworfen. In letzter Zeit ist in Österreich ein enormer Anstieg rechtsextremer Umtriebe zu verzeichnen.

Die Vereinigung namens „Objekt 21“ umfasse mindestens 200 Mitglieder, die alle zur oberösterreichischen rechtsradikalen Szene gehörten, berichtete der ORF. Das Hauptquartier sei in Desselbrunn im Bezirk Vöcklabruck, dort habe die Polizei auch Fahnen und Schriften mit NS-Symbolen gefunden.

Reichskriegsflagge am Eingang gehisst

Im Frühjahr 2010 tauchte das „Objekt 21“ erstmals in den Medien auf, als Kopf galt der einstige Anführer des „Kampfverbandes Oberdonau“ (Bezeichnung für Oberösterreich während des „Dritten Reiches“, Anm. d. Red.). Er richtete in dem Bauernhof ein „Partyzentrum“ ein, dessen Bar germanische Runen zierten. Die Grillstelle im Garten war in Form einer „Schwarzen Sonne“, eines NS-Symbols, angelegt, am Eingang wurde die Reichskriegsflagge gehisst. Auch der Körperschmuck des Rädelsführers, der bereits mit dem Gericht zu tun gehabt hat, zeugt von brauner Gesinnung: Er trägt u.a. einen SS-Mann und die Schriftzüge „Blood & Honour“ und „White Power“ als Tattoos. Facebook-Kommentare soll er mit Hakenkreuzen versehen haben.

Die Gruppe nutzte den Angaben der Polizei zufolge diverse Gewalt- , Eigentums- und Vermögensdelikte in der Rotlicht-Szene sowie im Waffen- und Drogenhandel, um sich Geld zu beschaffen. Die Organisation steht zudem im Verdacht, in Haftanstalten spätere Täter angeworben zu haben. Besonders besorgniserregend ist, dass bei Polizeirazzien Waffen, Munition und Sprengstoff sichergestellt wurden, mit denen offenbar reger Handel betrieben worden war.

Der Fall erinnert an die in Deutschland aktiv gewesene NSU-Terrorgruppe, die sich ebenfalls durch kriminelle Aktivitäten Geld für ihre mörderischen Operationen beschaffte. Ob es jedoch Verbindungen nach Deutschland gibt, konnte die Polizeisprecherin nicht bestätigen. (dpa/dtj/ooe.orf.at)