Ehemaliger Mitarbeiter der Pak-Turk Schools in Pakistan, Mesut Kacmaz und Ehefrau Kacmaz. Beide Türken wurden in Pakistan Opfer einer mysteriösen Entführung.

Die in Pakistan entführte Familie „Kacmaz“ ist wohl an die Türkei ausgeliefert worden. Dies berichtet die türkische Exilzeitung „Kronos News.“  Die entführten türkischen Staatsbürger waren demnach ehemalige Mitarbeiter der pakistanisch-türkischen Schule Pak-Turk School tätig und gleichzeitig auch Anhänger der Hizmet-Bewegung. Hizmet ist das Synonym für die Bewegung um den in den USA lebenden Islam-Gelehrten Fethullah Gülen.

Vor etwa drei Wochen war die Familie Kacmaz aus ihrer Wohnung entführt worden. Ob es sich bei den Entführern um offizielle Beamte des pakistanischen Staates handelte war zunächst nicht klar. Auch der genaue Hintergrund der mysteriösen Entführung war bis gestern nicht eindeutig, auch wenn viele hinter der Entführung die türkische Regierung sahen. Es ist bekannt, dass die türkische Regierung Kritiker im Ausland verfolgt. Auch in Deutschland soll dies der Fall sein. Demnach berichteten der SWR und Der Spiegel am Samstag über mutmaßliche Spitzel beim BAMF. In Spanien wurden auf Wunsch der türkischen Regierung Schriftsteller festgesetzt. 

Familie Kacmaz wohl bereits in Ankara

Nun soll die Familie laut Kronos News in der Nacht auf Sonntag an die Türkei ausgeliefert worden sein.  Freunde der Familie würden berichten, dass die Familie nun in Ankara sei und verhört werde. 

Erdogan will die Auslieferung von Gülen-Anhängern

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und die gesamte türkische Opposition sehen in Fethullah Gülen und seiner Bewegung den Drahtzieher für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei. Die Bewegung und Gülen selbst weisen diese Vorwürfe strikt ab. Seit dem die türkische Regierung auch bei Verbündeten im Ausland aufdringlich danach ersucht, die Institutionen der Bewegung zu schließen und Mitarbeiter dieser Einrichtungen an die Türkei auszuliefern, vermehren sich die Länder, die sich an den ausdrücklichen Wunsch des türkischen Staatspräsidenten halten. Aber auch auf inoffiziellen Wegen geschehen Auslieferungssituationen, wie beispielsweise in Malaysia. Dort wurden Leiter einer türkischen Schule aus einer PKW-Garage entführt und an die Türkei ausgeliefert. Die in zivil bekleideten Kidnapper stellten sich als malaysische Polizisten heraus, als das Thema an die Öffentlichkeit gelangte.

Familie Kacmaz war unter Schutz der UNHCR

Nach Marokko, Saudi-Arabien und Georgien, hatte sich auch Pakistan diesem Wunsch der türkischen Regierung angeschlossen. Die Regierung beschloss im November 2016 sämtliche Lehrer und das restliche Personal von Gülen-nahen Einrichtungen auszuliefern. Insgesamt betraf die pakistanische Entscheidung 108 Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen. Im letzten Moment konnte damals die Auslieferung durch das Verfassungsgericht Pakistans unterbunden werden. Die Mitarbeiter der Pak-Turk Schools erhielten Asylzertifikate der Weltflüchtlingsorganisation UNHCR und waren zunächst geschützt. Zumindest war das die Annahme.

Malaysia – Entführung wie in Pakistan

Vor rund fünf Monaten tauchten in Malaysia Entführungsbilder auf. Ein in Malaysia lebender Türke wurde dabei in der Tiefgarage von mehreren malaysischen Männern entführt. Die verzweifelten Familien wendeten sich in Videobotschaften mit einem Hilfeschrei an die Öffentlichkeit. Nach kurzer Zeit räumten die staatlichen Behörden von Malaysia ein, selbst hinter den vermeintlichen Entführungen zu stecken. Später wurden die Personen an die Türkei ausgeliefert. (Lesen Sie mehr zu Entführungen in Malaysia)

Entführungen in der Türkei seit Putschversuch gestiegen

Ähnliche Fälle gibt es auch aus der Türkei. Einige der Entführten Personen tauchten später bei der Polizei auf. Was steckt aber hinter diesen Entführungen? Darüber will Human Rights Watch (HRW) nun Aufklärung. Der HRW fordert seit Monaten von der Türkei die Untersuchung von Entführungen, bei denen nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation womöglich Behörden die Betroffenen haben verschwinden lassen. (Lesen Sie mehr zu Entführungen in der Türkei)

 

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