Patriarch Bartholomäus: Gott und der Staat werden mich beschützen

Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara hat eine Untersuchung hinsichtlich eines mutmaßlichen Mordkomplotts gegen den Patriarchen Bartholomäus I. eingeleitet. Auf das Kirchenoberhaupt sollte bisherigen Erkenntnissen zufolge am 560. Jahrestag der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen ein Attentat ausgeführt werden. Offiziellen Angaben zufolge leiteten die türkischen Behörden die Untersuchungen ein, als ein anonymer Brief an das Büro des Generalstaatsanwalts in Kayseri geschickt wurde.

Dem Brief zufolge planten Serdar A., der nun von der Polizei verhaftet wurde, und zwei weitere Verdächtige, die noch nicht ergriffen werden konnten, das Oberhaupt der christlichen Orthodoxie am 29. Mai zum Jahrestag der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen zu ermorden. Der Brief besagt, dass der Hauptverdächtige zwischen dem 15. und 20. April als Teil des Plans nach Istanbul gerreist war. Später sei er nach Kayseri zurückgekehrt, um seine Freunde über die Details des Attentatsplans auf den Patriarchen zu informieren.

Verdächtiger bestreitet die Vorwürfe

Patriarch Bartholomäus nahm am Samstag an der Eröffnungszeremonie eines Kulturzentrums in einer ehemaligen orthodoxen Kirche in Uzunköprü teil, einer Stadt im Nordwesten der Provinz Edirne. Auf Fragen eines Reporters bezüglich der jüngsten Ermittlungen wegen des Attentatsplans antwortete Patriarch Bartholomäus, dass er dem Vorfall nicht viel Aufmerksamkeit schenke, wobei er hinzufügte: „Ich weiß, dass an erster Stelle Gott und dann die Sicherheitskräfte unseres Staates uns sehr gut beschützen. Deshalb bin ich keineswegs beunruhigt über solch einen Vorfall und habe keine Angst. Aus diesem Grund bin ich auch hier in Edirne. Ich gehe überall hin, ohne Angst. Dank der Hilfe Gottes werde ich meinen Terminplan nicht ändern.”

Die Polizei verhaftete Serdar A. im Stadtteil Meligazi in Kayseri. Bisherigen Angaben zum Stand der Ermittlungen und anderen Berichten zufolge wird nach den anderen beiden Verdächtigen noch gesucht. Während der ersten polizeilichen Vernehmung leugnete der Verdächtige die Anschuldigungen, den Patriarchen ermorden zu wollen. Er sagte, dass er seine Verwandten während seines Aufenthalts in Istanbul besuchen wollte und dort außerdem nach einem Job gesucht habe. „Ich weiß nicht einmal, wo Patriarch Bartholomäus wohnt. Ich weiß nicht, was sein Titel oder Beruf ist. Ich sah ihn erst in den Medien. Ich habe keine Pläne oder Absichten, ihn zu töten”, soll er den Polizisten geantwortet haben. Polizeibeamten brachten den Verdächtigen später ins Gericht von Kayseri, um ihn von den Staatsanwälten verhören zu lassen.

Polizeiquellen zufolge war der Verdächtige vor dieser Tat bereits sechs Mal verhaftet worden, da er in verschiedene Verbrechen involviert gewesen sein soll, einschließlich Drohungen und Erpressungen. Erhärten sich die Vorwürfe, wäre dieser Fall bereits der zweite Attentatsplan auf Patriarch Bartholomäus, den die türkischen Behörden vor seiner Ausführung aufdecken konnten.