„Patriots“ in der Türkei sollen Signal der Abschreckung sein

Iskenderun – Falls der syrische Gewaltherrscher Baschar al-Assad die Türkei vor seinem erwarteten Sturz mit Raketen beschießen sollte, muss alles ganz schnell gehen. Vielleicht drei Minuten Vorwarnzeit blieben dann den deutschen Soldaten, die am Montag ihre „Patriot“-Luftabwehrsysteme im Hafen der Stadt Iskenderun (ehem. Antiochia) aus dem Bauch der Fähre „Suecia Seeways“ ausluden.

Die hochmodernen Waffen würden eine anfliegende Rakete in der Luft mit einem direkten Treffer zerstören, sagt Oberst Marcus Ellermann, der Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents. Die Rakete würde verpuffen, übrig blieben Splitter in der Luft. „Das ist kein Vergleich mit der Wirkung, wenn die Rakete in der Stadt einschlagen würde“, sagt er.

Um so schnell reagieren zu können, überwachen die Soldaten des Nato-Einsatzes den Luftraum mit Radar. Die Informationen fließen in ein Bild der Lage im Bürgerkriegsland Syrien ein, erklärt Ellermann. Die „Patriots“ selbst sind fast „wie eine Alarmanlage“ programmiert und lösen den Vorgaben entsprechend praktisch von selbst aus, wenn die Technik eine Bedrohung erkennt.

Nicht alle begrüßen den Einsatz der Raketen

Schon deswegen ist eine in der Türkei in den vergangenen Wochen geführte Diskussion darüber, wer bei diesem Einsatz den Finger am Abzug hat, erstaunlich. Die Vorbehalte in der Frage des Kommandos über die Raketen zeigen, dass sich die Türkei mit der Stationierung fremder Truppen nicht leichttut, auch wenn sie von den Nato-Verbündeten auf Wunsch Ankaras geschickt werden.

In Iskenderun gab es am Montag mehrere kleine Demonstrationen linksgerichteter Gruppen gegen den Nato-Einsatz. Mit Wasserwerfern ausgerüstete Polizisten kontrollierten die Straßen. In den Medien wurde schon spekuliert, ob die Luftabwehrraketen nicht doch länger im Land bleiben und schon mit Blick auf einen drohenden Krieg im Streit um das iranische Atomprogramm stationiert werden.

Ein US-Offizier trat im Hafen von Iskenderun solchen Überlegungen entgegen. Die „Patriots“ dienten klar der Abwehr von Gefahren aus Syrien. „Die Botschaft ist, über diese Grenze geht nichts rüber“, sagte er. Die Stationierung zeige, was Zusammenarbeit innerhalb der Nato bedeute. Die militärische Rückendeckung für die Türkei beruhige und stabilisiere die Lage.

„Die türkische Nation hat ja die Nato gebeten, die Stadt Kahramanmaraş zu schützen“, sagt Oberst Ellermann. In der Stadt, die etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt ist, leben mehr als 400 000 Menschen. In den kommenden Tagen werden Waffen und Ausrüstung aus dem Hafen gefahren. Für die deutschen Soldaten selbst sieht Ellermann aktuell keine Bedrohung. „Wir werden für die nächsten Monate hier sein. Wir hoffen, es dauert nicht zu lang, denn es geht um ein klares Signal der Abschreckung“, sagt er. (dpa)