Pipeline-Projekt: TAP gewinnt aserbaidschanische Ausschreibung

Die aserbaidschanischen Verantwortlichen erteilten dem österreichischen Energiekonzern OMV, der den Bau der Nabucco-Pipeline beabsichtigte, am Dienstag eine Absage. Offizielle Stellungnahmen zum Ausgang der Ausschreibung wird es aber von Seiten des Schah Deniz II-Konsortiums erst am Freitag geben. Doch schon am Dienstag wurde klar, dass der einzige Konkurrent des Nabucco-Projektes, nämlich die TAP, die Ausschreibung damit gewonnen hat.

Lange musste auf eine Entscheidung gewartet werden. Das Hauptproblem für die jahrelangen Verzögerungen im aserbaidschanischen Pipeline-Projekt war die Frage nach einer profitablen Finanzierung. Über den optimalen Verlauf der Pipeline musste auch noch erst entschieden werden.

Man möchte das Erdgas aus dem Kaspischen Meer, vor allem aufgrund der gestiegenen und deswegen lukrativen Gaspreise, nun nach Südeuropa befördern. Die Pipeline soll über die Türkei nach Thessaloniki führen und von da aus über Albanien nach Italien, heißt es offiziell.

Trans-Adriatic-Pipeline soll 16 Mrd. Kubikmeter Erdgas nach Europa pumpen

Die TAP wird rund 880 km lang sein und an das italienische Gasnetz andocken. Zwar sollte die Nabucco-Pipeline an einem Gasleitungsknotenpunkt in der Nähe von Wien andocken, doch damit wäre diese Pipeline auch mit 1300 km bei weitem länger und teurer gewesen.

Aserbaidschan entschied sich für die TAP-Pipeline aber auch aus zeitlichen Gründen. Eigentlich sollte eine Leitung nach Europa bereits 2010 stehen. Nun möchte man schnell arbeiten und Zeit sparen. Spätestens ab 2019 soll die Trans-Adriatic-Pipeline Erdgas nach Europa pumpen. Doch auch dieses Projekt soll umfangreicher werden als gedacht. Von einem anfänglichen Investitionsvolumen von 1.5 Milliarden Euro hat man sich bereits distanziert und geht mittlerweile von bis zu 2 Milliarden Euro aus.

Energie-Experte und leitender Mitarbeiter der OECD Mehmet Öğütçü kommentierte die Entscheidung Aserbaidschans: „Die TAP ist mit Sicherheit das einfachere Projekt, denn die Nabucco-Pipeline hätte sich deutlich schwerer in die Praxis umsetzen lassen. Aus Sicht der Türkei hat die Entscheidung für die Trans-Adriatic-Pipeline (TAP) kaum strategische Folgen. Sie hätte von beiden Projekten gleichermaßen profitiert.“

Insgesamt sollen 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Kaspischen Meer nach Europa gepumpt werden. Davon sollen allerdings 6 Milliarden Kubikmeter in der Türkei für das heimische Hochdrucknetz abgezweigt werden. Die restlichen 10 Milliarden Kubikmeter sollen dem europäischen Energiemarkt zur Verfügung gestellt werden. Damit möchte Europa seinen, von russischer Energie abhängigen, Energiewarenkorb zunehmend diversifizieren.

Doch auch für Aserbaidschan ist das Pipeline-Projekt lukrativ. Gerade Italien scheint als Verbraucher sehr interessant, denn die südeuropäische Republik verzichtet auf Atomkraftwerke und ist auf Energieimporte angewiesen. Der Bau der Trans-Adriatic- Pipeline soll im kommenden Jahr beginnen.