PKK-Chef Öcalan: „Waffen sollen schweigen, Ideen sprechen“

Der inhaftierte Chef der kurdischen Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, hat zu einer Waffenruhe aufgerufen. Die Kämpfer sollten sich zudem aus der Türkei zurückziehen, hieß es einer in Diyarbakır vor Hunderttausenden Menschen, die das Früh- und Neujahrsfest begehen, zunächst in kurdischer Sprache verlesenen Erklärung Öcalans. Öcalan hatte vor einigen Tagen einen „historischen Aufruf“ angekündigt.

Der bewaffnete Kampf sei zu Ende, es beginne eine neue Ära, in der nicht mehr die Waffen, sondern die Politik das Sagen haben werde. Auch die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates werde nicht mehr angepeilt. „Kurden und Türken sind Geschwister und leben seit Jahrhunderten zusammen. Das wird auch so bleiben“, hieß es in der Erklärung.

Öcalan kritisierte den westlichen Imperialismus, der im letzten Jahrhundert im Nahen und Mittleren Osten künstliche Grenzen geschaffen und damit einen Keil in die multikulturellen Gesellschaften dieser Regionen getrieben habe. Der Plan, die Menschen auseinanderzubringen, sei aber nicht aufgegangen, die Menschen hätten sich trotz vieler Opfer mit aller Macht dagegen gestellt.

„Zeit für eine neue Zukunft“

Öcalan sprach auch über den bisherigen Kampf der PKK. Dieser habe sich nicht gegen ein Volk oder eine Kultur, sondern gegen Ungerechtigkeit, Unwissenheit und Ausbeutung gerichtet. Doch diese Zeiten gehörten der Vergangenheit an: „Es ist Zeit für eine neue Türkei, für einen neuen Nahen Osten, für eine neue Zukunft“. Seine Botschaft sei nicht das Ende des Kampfes, sondern ein neuer Beginn.

Die Botschaft des auf einer Insel im Marmarameer inhaftierten Öcalan wurde von Politikern der Kurdenpartei BDP verlesen. Öcalan hatte zu Wochenbeginn bereits erklären lassen, dass er eine Lösung für eine Entwaffnung ohne Zeitverzug anbieten wolle. Sein Vorschlag werde auf die militärischen und politischen Aspekte einer Lösung der Kurdenfrage eingehen. „Unser Ziel ist eine Demokratisierung auf dem Gebiet der ganzen Türkei“, war Öcalan zitiert worden.

Die PKK hatte in der vergangenen Woche im Nordirak bereits acht verschleppte Türken freigelassen. Dies galt als vertrauensbildende Maßnahme, die die Weichen für eine Friedenslösung stellen soll. Die Regierung hatte die Friedensverhandlungen im vergangenen Jahr initiiert.