ARCHIV - Der Ministerpräsident der Türkei, Binali Yildirim, spricht am 18.01.2018 in Ankara (Türkei) zu den Sicherheitschefs der Türkei. Foto: Pool Prime Ministry Press Service/dpa

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim ist seit langem ein treuer Gefolgsmann von Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Mehr Loyalität, als der 62-Jährige an den Tag legt, ist in der Politik kaum vorstellbar. Als Yildirim im Mai vergangenen Jahres den Chefposten in der Regierungspartei AKP auch offiziell wieder an den heimlichen Vorsitzenden Erdogan abgab, sagte er: «Der herbeigesehnte, der erwartete Moment ist gekommen.» Yildirim setzte sich sogar für die Abschaffung seines eigenen Amtes als Ministerpräsident ein – natürlich zum Vorteil Erdogans.

Unermüdlich warb Yildirim für das von Erdogan propagierte Präsidialsystem, das bei einem Verfassungsreferendum im vergangenen April eine knappe Mehrheit bekam. Mit den für November 2019 geplanten Präsidenten- und Parlamentswahlen wird die Verfassungsreform abgeschlossen, dann wird es keinen Ministerpräsidenten mehr geben in der Türkei. Staats- und Regierungschef wird der Präsident sein – also Erdogan, wenn er wie erwartet die Präsidentenwahl gewinnt.

Erdogan hievte Yildirim 2016 auf den Posten des Regierungschefs, nachdem sich dessen Vorgänger Ahmet Davutoglu in dem Amt aus Sicht des Präsidenten zu stark profiliert hatte. Bei Yildirim – der bis dahin Verkehrsminister war – drohte diese Gefahr nicht. Nie stellte Yildirim die Machtverhältnisse in der Türkei in Frage, wo Erdogan schon seit Jahren den politischen Kurs vorgibt, obwohl das nach der Verfassung bislang eigentlich dem Ministerpräsidenten zustand.

Schon in den 1990er Jahren war Yildirim an der Seite des heutigen
Staatspräsidenten. Damals war Erdogan Bürgermeister von Istanbul,
Yildirim war der Chef der städtischen Fährgesellschaft Ido. Yildirim folgte Erdogan in die Politik und gründete gemeinsam mit ihm und anderen Mitstreitern die islamisch-konservative AKP.

Als die Partei 2002 in der Türkei an die Macht kam – die sie bis heute ununterbrochen innehat -, wurde Yildirim Verkehrsminister. Erdogan wurde bald danach Ministerpräsident und 2014 dann Staatschef. Während andere AKP-Mitbegründer in der Bedeutungslosigkeit verschwanden, ging Yildirims Aufstieg an der Seite Erdogans weiter.

Yildirim stammt aus der Stadt Refahiye in der osttürkischen Provinz Erzincan. An der Technischen Universität Istanbul studierte er Schiffsbau. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

dpa