Der Türkei-Korrespondent der «Welt», Deniz Yücel, Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ist nach Angaben seines Arbeitgebers «Welt» aus türkischer Haft entlassen worden. Das meldete die Zeitung am Freitag auf ihrer Website.

Deniz Yücels Anwalt Veysel Ok teilte auf Twitter mit: «Und endlich gibt es für meinen Mandanten Deniz Yücel einen Entlassungsbefehl.» Die Bundesregierung bestätigte die Freilassung. «Jetzt müssen wir natürlich abwarten, was in den nächsten Minuten, Stunden passiert», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Der Fall war zuletzt der größte Streitpunkt im Verhältnis zur Türkei. Yücel saß ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Anschließend wurde gegen ihn wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft verhängt. Zuletzt war aber Bewegung in den Fall gekommen.

Türkischer Ministerpräsident Yildirim war einen Tag zuvor bei Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim gesagt. Sie habe Yildirim darauf hingewiesen, «dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat».

Vor seinem Deutschland-Besuch hatte Yildirim der ARD gesagt, er hoffe auf eine baldige Freilassung Yücels. Außenminister Sigmar Gabriel sagte Mitte der Woche bei einem Besuch in Belgrad: «Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen.» Der SPD-Politiker fügte an: «Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht.»

Steudtner und Tolus Entlassungen hatten zu leichter Entspannung geführt

Im Oktober hatte ein türkisches Gericht die Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner verfügt und keine Ausreisesperre verhängt. Er konnte nach Deutschland zurückkehren, obwohl der Prozess gegen ihn weiterläuft. Steudtners Freilassung – und auch die der Übersetzerin Mesale Tolu – hat zu einer leichten Entspannung des deutsch-türkischen Verhältnisses geführt.