In Ankara hat die Polizei bei einer TAYAD Demonstration eine Frau festgenommen. Bei der Festnahme hat ein Polizist der Frau mit Kopftuch in den Schritt gefasst

Ort Ankara. Hier wurde am vergangenen Samstag eine junge Frau am Rande einer Demonstration für Menschenrechte und das Recht der Häftlinge auf skandalöse Art und Weise festgenommen. Der Polizist belästigte die junge Frau bei der Festnahme sexuell und griff ihr in den Schritt. Bilder der Festnahme zeigen die Brutalität des Vorgangs. 

Am vergangenen Samstag fand eine Demonstration der TAYAD statt, einer Menschenrechtsorganisation mit Tradition, die schon seit dem Militärputsch in 1980 auf unrechtmäßige Inhaftierungen von Zivilisten durch den türkischen Staat aufmerksam macht. Bei der Demonstration wurde unter anderem eine junge Frau festgenommen. Dabei fasste ihr ein Polizist von hinten ans Gesäß und in den Schritt. Auf diese Art und Weise wurde die junge Frau ins Polizeiauto gedrückt. Die Szene wurde von Beobachtern fotografisch festgehalten. Kurze Zeit danach lösten die Fotos der Festnahme eine Welle der Entrüstung in den sozialen Medien aus.

Reaktion der Polizei: Vater der Frau ist von FETÖ

Doch anstatt einer Entschuldigung folgte aus Ankara eine fragwürdige Rechtfertigung durch die Polizei. Bei der festgenommenen Frau handele es sich um die Tochter eines FETÖ-Mitglieds. Als FETÖ wird in der Türkei seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 die islamische Gülen-Bewegung bezeichnet. Urheber dieses Begriffs ist der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der die Gülen-Bewegung zum Staatsfeind erklärt hat. Er macht die Bewegung um den muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. An diesen Vorwurf haben sich derweil sämtliche Oppositionsparteien in der Türkei angeschlossen – wohl auch aus Angst vor Repressionen der Regierung.

Polizei: Die Frau demonstrierte für die DHKP/C

Die Polizei führte in ihrer Ekrlärung weiter aus, die junge Frau und ihr Bruder hätten sich in der Vergangenheit in der Stadt Çorum auch an Demonstrationen der verbotenen DHKP/C beteiligt. Oppositionspolitiker der HDP und CHP haben den Fall ins türkische Parlament getragen. Die Politiker Ömer Faruk Gergerlioğlu (HDP) und Sezgin Tanrıkulu (CHP) stellten eine Anfrage, ob gegen den Polizisten eine Ermittlung eingeleitet werde oder nicht. Solche Bilder hätte es nichtmal bei der Militärintervention vom 28. Februar 1997 gegeben. Dabei beklage sich die AKP in ihrem Jargon stets über das Vorgehen des Militärs am 28. Februar gegen muslimische Frauen mit Kopftuch. Die AKP versteht sich als Retterin und Hüterin der konservativen Frau mit Kopftuch. Die Frau, der in den Schritt gegriffen wurde, trägt ebenfalls ein Kopftuch.