Als einziger türkischer Politiker hat es Präsident Abdullah Gül auf die

Das US-Magazin „Time“ hat am Donnerstag seine Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt veröffentlicht. Die Liste wurde am Donnerstag im jüngsten Heft abgedruckt, ohne dass den Auserwählten konkrete Plätze zugewiesen wurden.

Erwartungsgemäß waren zahlreiche Schwergewichte der Weltpolitik darunter wie Russlands Präsident Wladimir Putin, der bereits Ende 2013 von der einflussreiche britische Zeitung „Times“ Putin zum „Menschen des Jahres auf dem internationalen Schauplatz“ gekürt worden war. Ende Oktober vergangenen Jahres ganz oben auf der „Forbes“-Liste der einflussreichen Männer der Welt stand und 2007 durch „Time“ zum „Menschen des Jahres“ erklärt wurde.

Auch US-Präsident Barack Obama, US-Außenminister John Kerry, Chinas Staatschef Xi Jinping oder Bundeskanzlerin Angela Merkel waren unter den Aufgeführten, daneben auch Irans Präsident Hassan Rouhani, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Namen der Politiker waren von einem eingeladenen Experten empfohlen worden.

Auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie die bekannten konservativen Unternehmer und „Tea-Party“-Großspender Charles und David Koch oder der bekannte frühere NSA-Mitarbeiter und Landesverräter Edward Snowden fanden sich auf der „Time 100“-Liste.

Aus türkischer Sicht ist vor allem interessant, dass Staatspräsident Abdullah Gül auf der Liste vertreten ist – nicht aber der mit wesentlich mehr an Befugnissen ausgestattete Premierminister Recep Tayyip Erdoğan. Die Biografie Güls verfasste dabei die bekannte türkische Novellistin Elif Şafak, die ihn dabei als „türkischen Moderaten“ beschrieb, der in Anbetracht der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen eine schwierige Entscheidung zu treffen habe.

„Gül steht vor schwieriger Entscheidung“

„Die türkische Politik ist zu maskulinistisch und polarisiert, aber der elfte Präsident der Türkei, Abdullah Gül, hebt sich durch seinen moderaten Ton und seinen verbindlichen Stil ab“, so Şafak. Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2015 stimmen sowohl seine Anhänger als auch die Skeptiker darin überein, dass seine Rolle in der türkischen Politik wesentlich größer geworden sei.  

Als früherer Außenminister, Premierminister und nunmehriger Präsident war Gül lange ein Verbündeter der dominanten politischen Figur Erdoğan, aber auch sein Hauptrivale, meint die Schriftstellerin.

„Als im Vorjahr die Gezi-Park-Unruhen ausbrachen als Ausdruck des Protests gegen eine Entscheidung Erdoğans, im Park ein Einkaufszentrum zu errichten, erklärte Gül das Recht auf friedliche Versammlung zum demokratischen Recht.“ Nach der Twitter-Blockade gehörte er zu jenen Millionen von Bürgern, die diese umgingen, so Şafak weiter. Dabei habe er sich gegen eine Schließung von Social-Media-Plattformen ausgesprochen.

Die türkischen Demokraten hätten hohe Erwartungen an Gül, einige davon hätten sich zerschlagen, als dieser umstrittene Gesetze unterzeichnet habe. Gül stehe nun an einem bedeutenden Scheideweg, schrieb Şafak weiter. Er könne sich für ein ruhigeres Leben entscheiden oder in die aktive Politik zurückkehren, um die Demokratisierung des Landes voranzutreiben, welche die Türkei so dringen brauche.

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