Eine Gruppe von Schriftstellerinnen fordert den neu gewählten Staatspräsidenten Erdoğan auf sich bei der Korrespondentin des Magazins „The Economist”, Amberin Zaman, zu entschuldigen. Erdoğan hatte die Journalistin während eines Wahlkampfauftritts als „schamlos” und „militant” bezeichnet.

Der neu gewählte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist für sein selbstbewusstes Auftreten und seine oft provokante Wortwahl gegen seine politischen Gegner und kritische Journalisten bekannt. In einer am Dienstag veröffentlichten schriftlichen Stellungnahme übten 130 Mitglieder der türkischen Beobachtungsgruppe für die Gleichstellung von Frauen (EŞİTİZ) nun scharfe Kritik an den Äußerungen Erdoğans gegenüber der prominenten Journalistin Amberin Zaman (Foto) und forderten eine Entschuldigung von ihm.

Der EŞİTİZ gehören viele Journalistinnen, Akdemikerinnen und Schriftstellerinnen an. „Today’s Zaman” zufolge hieß es in der Stellungnahme, dass Erdoğan im Laufe seiner Wahlkampagne für die Präsidentschaftswahlen in der Türkei verschiedene Gruppen der türkischen Gesellschaft beleidigt habe und sich dabei einem rassistischen, konfessionsbezogenen und sexistischen Diskurs bedient habe.

„Schamlose, militante Frau im Gewand einer Journalistin“

Die EŞİTİZ- Mitglieder sagten außerdem, dass verschiedene Gruppen im Land während [Erdoğans] Kampagne zum Ziel von antisemitischen Angriffen wurden. In dem Schreiben hieß es weiter: „Die Regierung ist verantwortlich für jedes Verbrechen, das bisher oder in Zukunft von Gruppen, die von der Regierung beleidigt und bedroht worden sind, begangen wurde oder noch begangen werden sollten.”

Außerdem läuft seit Mittwoch auf imza.la eine Unterschriftenkampagne, die eine Entschuldigung von Erdoğan fordert. An der Kampagne beteiligten sich bis zum Donnerstag Mittag bereits über 1400 Personen.

Erdoğan hatte die Taraf-Kolumnistin und Korrespondentin des Magazins „The Economist”, Amberin Zaman, während eines Wahlkampfauftritts im südtürkischen Malatya als „schamlos” bezeichnete und nannte sie wörtlich eine „schamlose, militante Frau im Gewand einer Journalistin“, die „ihren Platz kennen“ solle. Grund für die Äußerungen sind Medienberichten zufolge frühere Äußerung der Journalistin, die Erdoğan als „Beleidigung“ der Muslime und seiner Wählerschaft betrachtete.