Professor Haci-Halil Uslucan, Foto: Frank Leonhardt/dpa

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) beklagt die neuerliche Aufregung um das Kopftuch für junge Mädchen.

«Das ist eine sehr aufgeheizte Diskussion», sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende Haci Halil Uslucan der Deutschen Presse-Agentur. Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium prüft aktuell ein Kopftuchverbot für muslimische Mädchen unter 14 Jahren. Mit dem 14. Geburtstag ist man in Deutschland religionsmündig. Jugendliche können dann selbst über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden.

Professor Uslucan: «Kein Kopftuch vor dem Erreichen der Geschlechtsreife»

Uslucan, der in Essen Universitätsprofessor für Türkeistudien ist, betonte: «Aus religiöser islamischer Perspektive gibt es keinen Grund, vor dem Erreichen der Geschlechtsreife ein Kopftuch zu tragen.» Dass einige religiöse Eltern ihre Kinder trotzdem mit Kopftuch in die Schule und zum Teil sogar in den Kindergarten schickten, habe aber wohl das unausgesprochene Motiv, «dass das Kopftuch, wenn es die Mädchen schon sehr früh tragen, zum Habitus gehört, so dass sie es später im Teenageralter gar nicht mehr hinterfragen». Die Religion werde so zu einer «zweiten Haut», die man nicht mehr abstreift.

Dass heute mehr muslimische Eltern ihre Töchtern ermunterten, Kopftuch zu tragen, habe nicht nur mit der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen aus islamischen Ländern zu tun, fügte Uslucan hinzu. Ein weiterer Faktor sei das heute größere Selbstbewusstsein der Migranten-Gemeinden. «Die Muslime der Gastarbeitergeneration hätten es nicht gewagt, ihre Vorstellungen so selbstbewusst durchzusetzen wie heute die muslimischen Eltern der zweiten und dritten Generation.» Dies gelte sowohl für den islamischen Religionsunterricht als auch für das Kopftuch.

dpa