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Er galt als Veteran der Putschnacht. In jener Nacht stellte sich Sabri Ünal zwei Panzern in den Weg, um die Putschisten zu stoppen. Um ihn kümmerte sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich. Jetzt befürchtet der einstige „Gazi“ eine Abstempelung als Vaterlandsverräter. 
Der Name Sabri Ünal ist in der Türkei seit dem Putschversuch 2016 in aller Munde. In der Nacht des 15. Juli 2016 ging Ünal auf die Straße, nachdem er vom mutmaßlichen Putschversuch hörte. Er wollte es nicht zulassen, dass das Militär die Staatsmacht erlangt. Schließlich hatte auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das türkische Volk aufgefordert, auf die Straße zu gehen und gegen die Putschisten vorzugehen. Also stand es für Ünal außer Frage, dem Folge zu leisten.

Im Istanbuler Stadtteil Altunizade lief Ünal auf die Straße, die wenig später von Panzern befahren werden sollte. Als er den ersten Panzer sah, fing er an Steine zu werfen und stellte sich diesem in den Weg. Er wollte den Panzer dazu bringen, anzuhalten. Als Ünal merkte, dass der Panzer nicht anhalten würde, warf er sich auf den Boden. Der Panzerführer versuchte daraufhin zu bremsen. Ünal blieb unbeschadet. Doch dem Panzer sollte ein weiterer folgen.

Dieser fuhr mit voller Geschwindigkeit in Richtung Ünal, schien aber auch nicht die Absicht zu hegen, den Bremsvorgang einzuleiten. Ünal war erneut auf dem Boden. Diesmal zog er sich Verletzungen zu, er wurde zum „Gazi“.

Erdogan kümmerte sich persönlich um Ünal

Im Internet kursiert ein Video zu diesem Vorfall. Seitdem gilt Sabri Ünal in der Türkei als Held und „Gazi“. Der Status „Gazi“ ist quasi das Synonym für einen Veteran. Selbst Staatspräsident Erdogan sah in Ünal einen Helden. So wurde Ünal nicht nur samt seiner Eltern in den Präsidentenpalast eingeladen. Erdogan schickte Ünal persönlich nach Malta: „Ich habe diesen Jungen ins Ausland geschickt. Er wird dort einen Sprachkurs ablegen. Mit Gottes Hilfe wird er nach seiner Rückkehr als Programmierer weiterarbeiten“, so Erdogan.

Ünal will Entschädigungszahlungen zurückgeben

Jetzt scheint diese Beziehung vorbei zu sein. Wie die türkische Zeitung „Karar“ berichtet, gab Ünal nun sein Orden als „Gazi“ zurück. Zudem habe er vor, alle Entschädigungen sowie alle Rabatte, die er bekam, zu erstatten. Dem Veteran wurden beispielsweise Rabatte bei Strom- und Wasserrechnungen gewährt. Außerdem durfte er von einem zinsfreien Kredit profitieren. Die Zeitung „Taraf“ bezieht sich dabei auf Ünals Twitter-Account. Allerdings war der Account zum Zeitpunkt der DTJ-Recherchen nicht erreichbar.

Protestiert Ünal gegen Freilassung von Gülen-Anhängern?

Die Nachrichtenseite Oda TV glaubt, dass diese Entscheidung Ünals mit dem Urteil gegen Fettah Tamince, dem Eigentümer der Luxus-Hotelketten Rixos, zusammenhängt. Alle Akten gegen Tamince wurden kürzlich geschlossen. Ünal soll auf seinem Twitter-Account kritisiert haben, dass dieser freigesprochen worden war. Er würde sich nicht wundern, wenn der Staat ihn selbst als Gülen-Anhänger abstempeln würde.

Ünals Tweets werfen Fragen auf

Einige Aussagen Ünals sind in diesem Zusammenhang sehr interessant und werfen weitere Fragen auf. So soll er beispielsweise geschrieben haben: „Ich bin keinem gegenüber gekränkt. Dass ich in der Nacht des 15. Juli auf die Straße gerannt bin, war meine eigene Dummheit. Ich kann die Rechnung hierfür nicht dem Staat überlassen (…).“ Niemand solle seinen Namen von nun an auf Gedenkveranstaltungen zum Putsch benutzen und sich in Schwierigkeiten bringen.