Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan relativierte im Rahmen eines Geschäftsessens mit EU-Botschaftern am gestrigen Mittwoch die Bedeutung der jüngst übermittelten Glückwunschbotschaft des Staatspräsidenten Abdullah Gül gegenüber Ägypten. Diese sei „bedeutungslos“, betonte Erdoğan: „Weil wir keiner Administration gratulieren können, die aus einem Staatsstreich hervorgegangen ist“.

Gül hatte dem jüngst in einer Wahl bestätigten Staatschef und früheren General Abdel Fattah al-Sisi zu seiner Wahl gratuliert. Al-Sisi war für den Putsch gegen den 2012 gewählten Staatspräsidenten Muhammad Mursi im Juli des Vorjahres verantwortlich, der in weiterer Folge zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den meist aus der Muslimbruderschaft stammenden Anhängern des gestürzten Präsidenten geführt hatte.

Erdoğan kritisierte einmal mehr die westlichen Staaten, dass sie es nicht zustande gebracht hätten, die Ereignisse vom Juli 2013 eindeutig als Putsch zu bewerten.

Die Gratulation Güls Anfang des Monats war ein erstes Signal in Richtung Wiederannäherung zwischen der Türkei und Ägypten. Nachdem Erdoğan wiederholt in scharfen Worten Kritik an der Putschadministration in Kairo geübt hatte, erklärten beide Länder im November 2013 die Botschafter des jeweils anderen zu unerwünschten Personen – ein Schritt, der den langen bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern schweren Schaden zufügte.