Qualifizierte Migranten und die Asylfalle

Nürnberg – Zur besseren Steuerung der Zuwanderung regt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine frühzeitige Beratung an. Nicht für jeden Migranten sei etwa das Asylverfahren die richtige Antwort, sagte BAMF-Präsident Manfred Schmidt. Es gebe Zuwanderer, die einen Asylantrag stellten, jedoch in erster Linie auf einen Arbeitsplatz in Deutschland hofften. Darunter seien auch Männer und Frauen mit beruflichen Qualifikationen, die ihnen in Deutschland gute Jobchancen eröffnen würden.

Wer aber einmal den Weg des Asylverfahrens beschritten habe und dabei abgelehnt werde, habe selbst als qualifizierte Arbeitskraft kaum noch Chancen, in Deutschland Fuß zu fassen. „Zwischen den Zugangswegen Asyl und Arbeitsmigration besteht derzeit noch wenig Durchlässigkeit“, gab Schmidt zu bedenken. Entsprechend qualifizierte Migranten sollten daher bereits frühzeitig auf die bestehenden Möglichkeiten der Arbeitsmigration hingewiesen werden – und zwar noch vor der Einleitung eines Asylverfahrens.

Ein wichtiger Schritt wurde nach Schmidts Einschätzung mit einer Änderung des Aufenthaltsgesetzes bereits vollzogen. Seit August 2012 erlaube es ausländischen Hochschulabsolventen einen sechsmonatigen Aufenthalt in Deutschland, um eine Stelle zu suchen. Wer aber im Asylverfahren abgelehnt werde oder mit verschleierter Identität eingereist sei, verspiele eine solche Chance, gab Schmidt zu bedenken.

Für viele der abgelehnten Bewerber ist der Traum von Deutschland vorbei

Nach Angaben Schmidts konnte im Jahr 2012 nur rund einem Drittel aller Asylsuchenden ein Schutzstatus zuerkannt werden. „Das heißt: Zwei Drittel sind nach erfolglosem Asylverfahren dazu verpflichtet, Deutschland wieder zu verlassen.“ In den ersten elf Monaten des Jahres 2012 stellten 59.441 Männer und Frauen in Deutschland einen Asylantrag (Erstantrag), das sind 43,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu der Entwicklung hatten unter anderem Asylsuchende aus Serbien und Mazedonien beigetragen; ihre Anträge wurden aber fast ausnahmslos abgelehnt.

In der Debatte um Sachleistungen statt Bargeld für Flüchtlinge plädiert der Chef der Nürnberger Bundesbehörde für einen „vernünftigen Mix“ aus beidem. „Sachleistungen sind in Deutschland keine Eigenart des Asylsystems, sondern beispielsweise auch im Rahmen der Sozialhilfe und der Grundsicherung für Arbeitsuchende gesetzliche Praxis“, sagte Schmidt.

Er sehe nicht, dass Sachleistungen wie etwa Nahrungsmittel einen Verstoß gegen die menschliche Würde darstellen würden. „Wir kennen beispielsweise die Kleiderkammern, die Sozialschwache mit Kleidung versorgen. Warum sollten Asylsuchende sie bei entsprechendem Bedarf nicht ebenfalls nutzen?“ fragte Schmidt. Ein Teil der Leistung solle jedoch stets als Geldleistung gewährt werden. (dpa)