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Radikalisierung im Klassenzimmer: Nicht nur Lehrer sind gefragt und gefordert

Archivbild: Dr. Michael Kiefer ist Dozent am Institut für Islamische Theologie (IIT) in Osnabrück. Foto: picture alliance / Friso Gentsch/dpa

Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Dr. Michael Kiefer fordert langfristige Konzepte und professionelle Fachkräfte, um auf radikalisierte Schüler zu reagieren.

In einem Positionspapier der Konrad-Adenauer-Stiftung fordert der Wissenschaftler vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück langfristige Konzepte und professionelle Fachkräfte für Schulen. Nur so ließe sich eine effektive Radikalisierungsprävention betreiben, betont Kiefer. Dafür bedürfe es ausreichender personeller Ressourcen in der Schulsozialarbeit und im Kollegium. Radikalisierung an Schulen sei zum Teil ein gravierendes Problem.

Insbesondere gelte es, zwischen „religiös“ und „radikal“ zu unterscheiden. Oftmals scheitere es bereits daran. Beispielsweise werde in Schulen viel über den Sinn und Zweck des Fastens im Ramadan diskutiert, was an sich unproblematisch sei. „Es können aber auch Situationen der Bedrängnis entstehen, wenn Fastende Nicht-Fastenden Pflichtvergessenheit unterstellen und ihnen vorhalten, sie seien keine „richtigen“ Muslime“, heißt es in dem Papier. In letzterem Fall könne man von einer konfrontativen Religionsausübung sprechen, die die negative Religionsfreiheit der nicht fastenden Musliminnen und Muslime verletze. Dies dürfe eine Schulleitung nicht hinnehmen.

Bislang seien die bisherigen Bundesprogramme eher ausgewählte Leuchtturmprojekte, kritisierte Kiefer. Dies sei in der Breite wenig zielführend. Notwendig sei vielmehr eine Stärkung der Regelstrukturen. Dabei kommt dem Wissenschaftler zufolge auch dem islamischen Religionsunterricht eine wichtige Rolle zu. Viele junge Menschen, die in gewaltaffine islamistische Milieus abrutschten, verfügten häufig nur über geringe Kenntnisse der islamischen Religion. Ein moderner Religionsunterricht vermittele unter anderem Methodenkompetenzen, die einen reflektierten Umgang mit religiösen Inhalten ermöglichen sollten.

dpa/dtj

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