Erschöpfte Arbeiter ruhen sich während des Fastenmonats Ramadan nach dem Gebet in der Moschee aus.

Die Fastenzeit und das Ramadanfest sind nun vorbei. Und Deutschland ist um ein Jahr reicher an Erfahrung im Umgang mit seinen Muslimen. Immer mehr Deutsche gratulieren den Muslimen zum Ramadanfest, sind im Umgang mit Fastenden besser vorbereitet und begehen im Privaten wie auf offiziellen Veranstaltungen Iftar, das Fastenbrechen. Wir haben die Wissenschaftlerin Nazan Ulusoy der Leuphana-Universität in Leipzig gefragt, was die Gesellschaft in Sachen Ramadan und im Umgang mit fastenden Muslimen noch lernen kann. Und sie hatte einen interessanten Zugang: Worauf Arbeitgeber beim nächsten Ramadan achten können.

Fasten führt häufig zu psychologischer Anspannung und körperlicher Ermüdung

von Nazan Ulusoy*

Der Ramadan gehört zum muslimischen Glauben. Menschen, die schwerer, körperlicher Arbeit nachgehen und das Fastengebot einhalten – insbesondere wenn der Fastenmonat in die heiße Jahreszeit fällt – sind einer Gesundheitsgefährdung ausgesetzt. Das lange Fasten und das Aufsparen des Essens auf eine Hauptmahlzeit führen häufig zu psychologischer Anspannung und körperlicher Ermüdung. In den Hochsommermonaten kann es, vor allem durch den der Verzicht auf Flüssigkeit, zu Kreislaufproblemen kommen.

Als Folge von zu großen Mahlzeiten in der Nacht und einem anhaltenden Schlafmangel, bedingt durch das Aufstehen für die letzte Mahlzeit vor dem täglichen Fastenbeginn (Sahur), können sich weitere gesundheitliche Probleme wie Erschöpfungszustände und Konzentrationsschwierigkeiten ergeben.

Der Ramadanmonat und seine Auswirkung auf die Gesundheit, Arbeit und den Straßenverkehr

Auch wenn es kaum Statistiken über die gesundheitlichen Folgen des Ramadans gibt, beobachten Ärzte jedoch, dass bestimmte Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes-Komata oder Darminfekte während der Fastenzeit stark ansteigen. Die Zunahme von Unfällen am Arbeitsplatz wird ebenfalls als eine Folge des Fastens genannt. Die Gefahr von Arbeitsunfällen steigt in der Zeit, da das Fasten unter Umständen zu einer spürbaren Minderung der Konzentrationsfähigkeit des Arbeitnehmers führen kann.

Auch im Straßenverkehr sind Auswirkungen erkennbar. Mahmut Tolon kam bei seiner Untersuchung der Verkehrsstatistiken in der Türkei (seit 1984) zu dem Ergebnis, dass es in den Ramadan-Monaten durchschnittlich zu mehr Unfällen kommt als in den anderen Monaten. Als möglicher Grund wird die verlangsamte Reaktionszeit in der Fastenzeit genannt.

Flexible Arbeitszeitgestaltung, erweiterte Kantinenangebote und „Wunsch-Schicht“

Betriebe sollten während des islamischen Fastenmonats Ramadan Rücksicht auf muslimische Beschäftigte nehmen. Führungskräften, Vorgesetzten und Betriebsräten sollte ein Bewusstsein über eventuell auftretende eingeschränkte Produktivität, Leistungsfähigkeit und Konzentration der Fastenden, vor allem zu Beginn der Fastenzeit, vorliegen.

Die Organisation kann, wenn es Urlaubsanfragen während dieser Zeit berücksichtigt, eine flexible Arbeitszeitgestaltung und das Fastenbrechen im Betrieb ermöglicht, zu einer größeren Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter beitragen. Um den muslimischen Mitarbeitern die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen, könnte allen Muslimen zu Zeiten des Ramadans angeboten werden, eine „Wunsch-Schicht“ zu wählen. Zudem könnten für die Mahlzeiteinnahme im Zeitraum des Fastenbrechens die Öffnungszeiten der Kantinen erweitertet und Speisepläne angepasst werden.

Forschung zur Belastung im Job bei türkischen Arbeitnehmern in Deutschland

Das Wissenschaftlerteam des Projekts „UBalance – Mental fit im Job“ an der Leuphana-Universität führt in Zusammenarbeit mit endaX eine empirische Untersuchung über die arbeitsbezogene Gesundheit von türkischen Erwerbstätigen in Deutschland durch. Wer an dieser Online-Umfrage teilnehmen möchte, ist eingeladen, sich auf www.endax.de zu registrieren. Hiernach erhalten Sie eine Einladung zur Umfrage. Weitere Informationen findem Interessierte auf www.ubalance.de in deutscher Sprache oder auf www.is-sagligi.org in türkischer Sprache.

*Nazan Ulusoy ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana-Universität in Leipzig