„Was denken Nicht-Muslime über das Fasten?“ Verbessern Sie mich, wenn ich mich irre, dass diese Frage jedes Jahr aufs Neue in die Gedanken vieler Muslime zurückkehrt.

Machen wir es uns nicht so schwer und werfen einen Blick in die Gedanken einer Erzieherin aus Berlin-Treptow. Laura Bergmann (*), gebürtige Thüringerin, lebt seit drei Jahren in Berlin. Umgezogen ist sie aus beruflichen Gründen in die Hautstadt. Sie arbeitet in der Kita.

Einen ersten „echten“ Kontakt mit einem Menschen muslimischen Glaubens hat sie mit ihrer neuen Chefin gemacht. Auch unter den Kollegen hat sie seit kurzem Bekanntschaft mit Muslimen gemacht. Wir sprachen mit ihr über ihre Gedanken, Ängste und Fragezeichen zum Fasten.

Seit etwa vier Wochen fasten viele Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Welche Gedanken kommen Ihnen als erstes in den Sinn?

Für mich hört es sich ziemlich hart an – sagen wir es mal so. Der Glaube, das ist jedem seine Sache. Aber wenn ich dann so höre, nichts trinken, dann denke ich mir: „Oh Gott, das muss man erst mal schaffen“. Das sehe ich auch schon mit Respekt, weil ich glaube, dass ich das so nicht durchhalten würde. Wenn man da mal eine Diät versucht, dann klappt das schon nicht. Und dann komplett den ganzen Tag gar nichts essen (guckt mit weit geöffneten Augen). Man könnte das vielleicht noch aushalten, wenn man trinken dürfte. Gerade bei solchen Temperaturen. Im Winter ist es da einfacher, vermute ich – so sagt es zumindest auch unsere muslimische Köchin.

Wie erleben Sie den Ramadan und das Fasten in Berlin?

Wirklich wahrnehmen tue ich ihn an sich nicht. Mir erzählen nur immer mal die Kolleginnen auf der Arbeit davon. „Heute kann ich nichts trinken, heute ist es bisschen anstrengender auf der Arbeit“. Ansonsten habe ich damit nicht so viel zu tun, muss ich zugeben. Auch privat nicht. Ich bin seit vier Jahren in Berlin und kenne in meiner privaten Umgebung niemanden, der fastet. Ich kenne das nur durch die Arbeit.

Und in Ihrer Heimatstadt?

In Thüringen habe ich gar nichts mitbekommen. Erst hier in Berlin. Durch die Medien hört man ja schon, dass es den Ramadan gibt und das Fasten auch. Aber das bewusste Wahrnehmen habe ich nicht erlebt. Das Fasten war für mich Neuland.

Fasten – wäre das etwas für Sie?

Ich gehöre keiner Religion an, aber etwas Ähnliches habe ich schon mal gewagt. Ich habe eine Diät versucht, was dann nicht geklappt hat. Ich bin da nicht so willensstark. Wenn ich fasten würde, dann würde ich schon etwas trinken. Sonst würde ich das nicht durchhalten. Ich trinke sowieso immer viel. Ich habe stets meine Flasche bei mir. Ohne Wasser würde ich umfallen. Fasten ohne Nahrung würde ich schon, wenn ich so einen Willen hätte und es wirklich durchziehen möchte – aber dann mit Trinken eben.

Welche Fragen interessieren Sie in Bezug auf das Fasten?

Anfangs haben mich Fragen wie „Ab wann darf man wieder essen?“, „Darf man auch nichts trinken?“ oder „Wie lange muss man fasten?“ interessiert. Allmählich fragte ich mich dann, worauf sich das Fasten überhaupt stützt. Mir war und ist schon klar, dass es wegen dem Glauben ist. Mich interessieren vielmehr die Hintergründe beziehungsweise die Beweggründe. Es ist einfach bewundernswert zu sehen, dass Menschen so viel Energie und Willensstärke in das Fasten investieren. Da kommen dann schon solche Gedanken hoch.

Sie haben davon gesprochen, dass sie muslimische Kolleginnen haben, die fasten. Wird auf Ihrer Arbeit auch das Ramadan-Fest gefeiert?

In dieser Kita feiern wir Weihnachten, Ostern und alles was dazugehört. Ich finde, dass jeder sein Fest haben sollte. Unsere Kita ist sehr gemischt. Alle Kulturen und Religionen sind vertreten. So wie es in Berlin eigentlich auch ist. Die Gesellschaft ist von Religionen und Festen geprägt. Wir haben muslimische Kinder, die solche Feste zu Hause feiern. Gerade deswegen sollten sie auch in den Kitas gefeiert werden. Es ist nun mal ein Teil der Gesellschaft. Mit der Kitaerziehung fängt die Bildung der Kinder an. Zur Bildung gehört unter anderem auch die Schulung der interkulturellen Kompetenz. Und wenn wir über interkulturelle Kompetenz sprechen, dann ist es nur legitim und sinnvoll zu feiern. Nicht nur Kinder, auch Erzieherinnen und Erzieher lernen hierbei sehr viel von anderen Kulturen und Religionen – unter anderem auch über den Islam. Für ein gutes Miteinander ist genau das ein unumgänglicher Weg.

* Name von der Redaktion geändert.