Besucher besichtigen am "Tag der offenen Moschee" Anfang Oktober die Zentralmoschee der Ditib in Köln. Foto: Henning Kaiser/dpa

Muslime in Deutschland verurteilen die Terrorangriffe der letzten Tage in Frankreich. Die Morde selbst seien die größte Beleidigung für den Gesandten Allahs.

„Solch eine Tat ist die größte Beleidigung am spirituellen Erbe des Propheten“, wird Fethullah Gülen, Vordenker der internationalen Hizmet-Bewegung, in einer Pressemitteilung vom Freitag zitiert. Von der Messerattacke in Nizza, bei der drei Menschen in einer Kirche getötet wurden, habe er mit großer Trauer erfahren. Dies passierte knapp zwei Wochen nach dem brutalen Mord an dem Pariser Lehrer Samuel Paty. Die Tatsache, dass beide Täter muslimische Identitäten hatten und religiöse Parolen gerufen haben sollen, so Gülen weiter, vertiefe seine Trauer noch mehr.

„Botschaft des Propheten nicht verstanden“

Einem Menschen das Leben zu nehmen mit der Begründung, dieser Mensch habe unseren Propheten beleidigt, zeige, dass der Täter dessen Botschaft nicht verstanden habe. Damit spielte Gülen auf die Karikaturen und Zeichnungen an, die den Propheten zum Gegenstand haben. Muhammad selbst sei sein Leben lang allen Beleidigungen und Respektlosigkeiten ihm gegenüber mit Sanftmut, Vergebung und Barmherzigkeit begegnet. Mit Großmut habe er die Herzen derer gewonnen, die ihm gegenüber feindselig waren. Auch Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung, zeigt sich empört: „Nichts rechtfertigt die Ermordung eines Menschen; auch nicht die Beleidigung des Sakralen!“ Die Stiftung informiert über die Ursprünge, die Entwicklung und die Aktivitäten von Hizmet in Deutschland sowie über die Ideen und die Arbeit Gülens.

Bekir Altaş, Generalsekretär von Milli Görüş (IGMG), äußerte sich ähnlich. „Wir sind zutiefst erschüttert über die Untat in Frankreich. Sie steht unseren Überzeugungen und unseren Glauben diametral entgegen“, so Altaş. „Unsere volle Solidarität gilt dem französischen Volk. Wir beten für die Toten und Verletzten sowie ihre Angehörigen. Möge Gott ihr Leid und Schmerz lindern. Wir sind in Gedanken bei ihnen.“

Ditib bereit für „Präventions- und Deeskalationsarbeit“

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, hingegen möchte seine Dienste zur Verfügung stellen, um „theologische und pädagogische Präventions- und Deeskalationsarbeit zu leisten“. Die Lebensläufe von Extremisten jeglicher Couleur hätten gemeinsam, dass sie irgendwann aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschieden und häufig in kriminellen und gewaltverherrlichenden Kreisen gelandet seien. „Wir müssen Menschen abholen, bevor sie vor ihrer Perspektivlosigkeit in blinden Hass und Gewalt flüchten. Da stehen wir alle in Verantwortung.“

Mit den Worten des alevitischen Dichters Aşık Hudai ging die Alevitische Gemeinde Deutschlands an die Öffentlichkeit: „Unsere Religion ist die Liebe, an keine andere glauben wir.“ Die aufeinanderfolgenden Hasstaten in Frankreich habe die Gemeinde traurig, aber auch wütend gemacht. Diese Taten seien feige Angriffe auf das friedliche Zusammenleben der Menschen in der pluralistischen Gesellschaft. „Allen Hasspredigern zum Trotz werden wir nicht aufhören, an die Kraft der Liebe zu glauben.“

Macron in der Kritik

Im französischen Nizza waren am Donnerstagmorgen drei Menschen brutal ermordet worden. Die Tat ereignete sich in bzw. vor der Basilika Notre Dame de Nice. Präsident Emmanuel Macron kündigte danach an, noch härter gegen den Islamismus vorgehen zu wollen. Karikaturen über den Propheten verteidigte er zum wiederholten Male als „Meinungsfreiheit“ und erntete dafür zum Teil auch Widerspruch. „Vielleicht sollten wir besser Karikaturen über andere Dinge machen, aber nicht mehr über Mohamed. Vielleicht wäre das ja die Lösung. Ich weiß es nicht. Aber können wir unsere Meinungsfreiheit nicht anders ausdrücken, als mit diesen Karikaturen?“, fragte ein User etwa auf Twitter.