Wer türkisch essen will, findet in Berlin eine Fülle an Alternativen. Es überwiegt natürlich der Anblick des Döners, aber dennoch hat Berlin einiges an Spezialitäten zu bieten, die wir aus Nordrhein-Westfalen nicht so recht kennen. Aber auch in Berlin ist nicht alles gleich Gold, was glänzt. Verwundert haben mich vor allem die sehr günstigen Preise der Dönertaschen mit Hähnchenfleisch. Eine Dönertasche mit Hähnchenfleisch für nur 2,50€ und bei einigen Buden sogar für nur 2€ ist verdächtig günstig. Man stellt sich die Frage, wie es denn tatsächlich nicht wirtschaftlich ruinierend sein kann, wenn ein herkömmlicher Chickenburger im Durchschnitt 2€ kostet und ein großer Döner mit Salat, Gemüse und Soße im Fladenbrot den selben Preis abverlangen kann. Ich möchte niemanden unter Generalverdacht stellen, aber bei meinem Berlinaufenthalt habe ich persönlich Abstand gehalten von den „Vogelfleischdrehspießen“. Lieber etwas mehr Geld zahlen und auf der sicheren Seite schwimmen.

Beginnen wir die kulinarische Berlinrunde mit der vielleicht besten türkischen Suppe, die ich in Deutschland je serviert bekam. Das historische Doyum Restaurant am Kottbusser Tor, etwas versteckt unter einem Kreuzberger Blockbau, bietet in kleinen und unbedeutenden Metallschälchen eine fabelhafte Linsensuppe an. Fleischliebhaber stoßen dort auf ebenso starke Fleischsuppen. Dass zu den Suppen Rettich und scharf eingelegte Chilis serviert werden, runden alles perfekt ab. Bei Doyum kann man übrigens auch ausgezeichnete Tellergerichte und sehr knusprige türkische Pizzen essen. Alles in allem ist das charakterstarke Restaurant eine Freude, besonders für Liebhaber des deutsch-türkischen Oldschool-Flairs.

„Das Hasir-Imperium

Das unweit liegende Hasir Restaurant verdient eigentlich ein eigenes Kapitel. Ich würde das Kapitel „das Hasir-Imperium“ nennen, denn viele wissen nicht, zu welcher Größe das ehemals kleine Restaurant es mittlerweile gebracht hat. Um nicht zu weit von dem Thema abzuschweifen, zwei Punkte zum Hasir-System: Die gesamte Straße gehört quasi dem Restaurant-Inhaber, inklusive den meisten Konkurrenzläden und die TITANIC Luxus-Hotels in Berlin und Istanbul sind auf das überschaubare Restaurant am Kottbusser Tor zurückzuführen.

Der Geschmack bei Hasir kommt zumindest in Sachen Suppe nur in Ansätzen an Doyum heran. Dennoch profitiert das Hasir von einer optimalen Lage und ist wegen des immensen Zulaufes permanent voll. Eine Bewertung anderer Gerichte wäre nicht fair, denn etwas anderes konnte ich im Hasir nicht probieren. Im Allgemeinen erschienen mir die Preise beim Blick in die Karte etwas zu hoch.

Wer in Berlin Wedding wirklich gute türkische Grillgerichte essen möchte, der ist im La Fiamma bestens aufgehoben. Für die, die sich unter den vielen Spezialitäten nicht entscheiden können, ist der ordentlich bestückte gemischte Grillteller die richtige Entscheidung.

Vegetarier oder Pizzen-Liebhaber sind bei La Fiamma ebenfalls gut aufgehoben. Das Restaurant bittet alle möglichen Pizzen an, die glatt von einem Italiener zubereitet sein könnten. Besonders beliebt ist La Fiamma-Pizza. Sie besteht aus einem traditionell italienischen Pizzateig mit Dönerfleisch darauf, die perfekte Repräsentation des türkisch-italienischen Restaurants. Für die Besucher, die lieber auf ihre Linie achten möchten, gibt es zahlreiche exotische Salate. Aber auch an traditionellen Vorspeisen oder italienischen Pasta-Gerichten mangelt es nicht!

Lasst euch bei La Fiamma auch nicht entgehen, von den diversen Süßspezialitäten zu kosten. Also eine Top-Adresse für den Abschluss eines langen Tages, quasi als geeigneter KO-Tropfen.

 „Peri“ machte mich schließlich doch zum Kumpir-Liebhaber

Für mich war Kumpir, also die türkische Variante der Ofenkartoffel mit zahlreichen Toppings verfeinert, einfach nur eine nette Entwicklung. Als Fleischliebhaber war mir das Gericht zu uninteressant. Eines besseren wurde ich in Berlin belehrt. Zwar findet man in Berlin an verschiedenen Punkten türkische Kumpir, aber die mit Abstand besten sind im Café Peri zu genießen. Unter Toppings auf die dicke Kartoffel verstehen wir Türken unterschiedliche Meze-Sorten. Zunächst liegt aber die Kunst bei einem wirklich guten Kumpir darin, die richtige Kartoffel zu finden, diese optimal zu backen und anschließend gebührend und gleichmäßig mit viel Butter und Käse im Inneren zu vermengen. Wenn dann die Meze und die Toppings frisch und wie hausgemacht schmecken, wie es im Café Peri auf der Potsdamer Straße definitiv der Fall ist, dann kann diese Kartoffel auch Fleischliebhaber wie mich vom Hocker hauen.

P.S.: Für die Kumpir-Fans mal unter uns. Bei Café Peri schmeckt es meiner Meinung nach wie in Ortaköy/Istanbul.

Kumpir kann man auch bei La Femme essen. Nicht verwechseln, es ist das La Femme gemeint und nicht etwa das La Fiamma. Die Verwechslung passiert schnell. La Femme ist eine kleine Kette für die türkische Art des Frühstücks. In einem schönen Ambiente kann man bei La Femme Frühstücks-Pfannen, aber auch ganz gewöhnliche Frühstücks-Teller bestellen. Das besondere an La Femme sind die Sesamringe. Ein waschechtes türkisches Frühstück kann nur gelingen, wenn es anstatt Brötchen Sesamringe gibt. Dafür ist das La Femme eine gute Adresse. Eine kleine Alternative ist das Sofra Simit Evi in Spandau. Dort kann man in kleiner Räumlichkeit mit ähnlichem Menü zu etwas günstigeren Preisen frühstücken.

Alternativen zu KFC

Was ich in Nordrhein-Westfalen vermisse seit ich in Berlin gewesen bin, ist das so genannte „RISA Chicken“. Dabei handelt es sich um eine von Arabern betriebene Berliner Kette, bei der es die besten Hühnchen vom Grill überhaupt gibt. Eine riesige Holzkohle-Grill-Installation, bei der halbe oder ganze Hähnchen auf Kohle gegrillt werden. Die Gewürze und orientalischen Soßen auf dem Hähnchen runden den Geschmack perfekt ab.

Hier gibt es auch allerlei, was an Kentucky Fried Chicken erinnert. Es ist nur authentischer, leckerer und „deutscher“ als die Version aus den USA. Die Kette findet man an vier Punkten in Berlin: Sonnenallee 26, Turmstraße 39, Tempelhofer Damm 144 und Müllerstraße 30.

Diese so genannten „Hähnchenhäuser“ sind ziemlich beliebt in Berlin, da man für wenig Geld eine ordentliche Portion erhält, von der meist sogar zwei Personen satt werden könnten. Alternativen zum RISA sind das „City Chicken“ in Neukölln und das „City House“. Letzteres bietet zudem alle möglichen Grillgerichte an. Außerdem erhält man dort traditionell arabisches Frühstück, wie z.B. „Fatteh“, „Foul“ oder „Man’ousch“ (bzw. „Manaisch“). Bei „Fatteh“ handelt es sich um von Joghurt umhüllte Kichererbsen und Fladenbrot mit Knoblauch. Die Oberfläche ist bedeckt mit in Öl angebratenen Cashewnüssen und Pinienkernen. „Foul“ hingegen sind Sau-oder Favabohnen mit Tomaten in Tahin-Sauce. Verfeinert wird das ganze mit Salz, Knoblauch und Zitrone. Beide Gerichte werden in den verschiedensten Variationen hergerichtet. Kommen wir schließlich zu den „Manisch“, was nichts anderes ist, als die arabische Variante der Pizza oder des türkischen Lahmacun. Zum Frühstück wird der Teig gern mit Käse oder einer Thymian-Öl-Mischung belegt. Zum Mittagessen werden gerne Varianten mit Hackfleisch, Sucuk oder Paprika und Peperoni gewählt.

Falls der ein oder andere für dieses arabische Frühstück nicht extra nach Neukölln fahren möchte, ist mit Akko am U-Bahnhof Pankstraße gut beraten.