Düsseldorf war eine lange Zeit die Adresse nach Köln und Duisburg, um guten türkischen Döner und Kebab zu essen. Besonders die Restaurants am Hauptbahnhof Düsseldorf sind nicht nur für Menschen aus Nordrhein-Westfalen ein Begriff. Doch ich war in den letzten Jahren beruflich hauptsächlich in Düsseldorf unterwegs und darauf angewiesen, in den Mittagspausen auswärts zu essen. Allerdings wurde ich viel zu oft enttäuscht.

In Düsseldorf ist nicht alles gleich Gold, was glänzt. Es hat auch wirklich nicht viele Anläufe gebraucht, damit das für mich feststand. Mit dem kleinen Imbiss-Restaurant namens „Selam“ beginnend, wird diese Liste lang. Der Imbiss „Selam“ ist eher unscheinbar, obwohl er direkt vor dem Hauptbahnhof steht und somit die denkbar beste Position hat, um ein Kassenschlager zu sein. Im Angebot stehen Döner, Grillhähnchen und an bestimmten Tagen in der Woche Lamm am ganzen Stück. Ich bin monatelang an diesem Laden einfach vorbeigezogen, denn durch seine unscheinbare Erscheinung lädt er nicht gerade ein. Meine Freunde mussten mich dort beim ersten Mal regelrecht reinzwingen. An den Decken hängen noch rote Papp-Lampen mit chinesischen Schriftzeichen, die darauf hinweisen, dass hier früher wahrscheinlich ein chinesisches Restaurant stand. Die Stühle und Tische sind möglicherweise auch einfach übernommen worden. Das ist eigentlich in Ordnung, aber wirklich schöner macht es den Laden nicht. Er wirkt extrem lieblos und das, obwohl sein Platz so vielversprechend ist.

Einmal Döner bestellen und nach Fritteuse riechen

Übrigens hat man bei „Selam“ das Problem, am Ende des Essens nach Fritteuse zu riechen. In Düsseldorf, aber auch in den meisten übrigen Adressen ist das ein gesamttürkisches Problem. Bei den nächsten Läden auf dieser Liste wird das nicht anders. Es gibt sogar welche, bei dem das bloße Warten auf den Döner-zum-Mitnehmen dazu ausreicht, vollkommen nach Frittieröl zu stinken. Bei „Selam“ schmeckt der Döner nicht schlecht, aber die Dönertaschen fallen, um es freundlich zu formulieren, bescheiden schmal aus. Für den großen Hunger müsste man noch etwas dazu bestellen. Das „Saray“-Restaurant und das Nachbarlokal „Hünkar“ verursachen ähnlichen Gestank, wie das „Selam“. Hier kann man zwar auf mehr Gerichte zurückgreifen, aber Mal ganz ehrlich, auch dort gibt es absolut nichts weltbewegendes. Für einen echten Gaumenschmaus reicht es in keinem der drei Lokale aus. Wenn man aber ein Freund des Hackdöners mit viel Soße ist, dessen Basiselement „Gewürzketchup“ aus der langen, zylinderförmigen Flasche ist, dann ist man mit allen drei Läden noch gut beraten. Doch dies ist nicht unser Anspruch.

Weiter auf der Straße gibt es ein ähnliches Restaurant, das seit wenigen Monaten neu übernommen wurde. Deshalb lassen wird diesen Laden nun außen vor. Quer auf der anderen Straße steht in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs noch das „Izmir“ Restaurant. Für Suppenliebhaber ist das eine gute Adresse. Grillgerichte heben sich von den Restaurants „Saray“ und „Hünkar“ etwas ab, aber erreichen nicht mehr als maximal 6 von 10 Punkten. Es ist OK.

Menschen mit einem höheren Anspruch kennen sicherlich das „Karadeniz“-Restaurant, das auch vom Hauptbahnhof fußläufig erreichbar ist. Wie der Name es hergibt, handelt es sich dabei um ein Fischrestaurant, wo aber auch übrige Fleischgerichte gegrillt werden. Unser Eindruck: Das „Schwarze Meer“ wirkt wie ein Elite-Restaurant und optisch ist es wirklich sehr schick eingerichtet, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein Desaster. Es ist eindeutig zu teuer und auf dem Teller landet einfach zu wenig. Bei uns sind zudem unzählige Beschwerden bezüglich des Personals eingegangen.

Geheimtipp La Grilladine

Jetzt unser Geheimtipp. Damit liefern wir den essfreudigen Lesern eine Spitzenadresse für Fisch und Fleisch! Das marokkanische La Grilladine eher hinter dem Hauptbahnhof, aber auch fußläufig zu erreichen. Dieser kleine, bescheidene und sympathische Marokkaner hat vom gemischten Grillteller, bis hin zur gegrillten Dorade einfach alles, was klassische türkische Restaurants bundesweit zu bieten haben. Der Unterschied ist, das hier noch viel Liebe und Einsatz drin steckt und das schmeckt man! Zu den vollen Tellern gibt es einen marokkanischen Meze-Teller spendiert. Man kann von dem fabelhaften Salat auf den Tellern nur so schwärmen, denn da sind saisonal auch Früchte und Nüsse drin versteckt – im Sommer gab es Erdbeeren, zu kalten Jahreszeiten oftmals Granatapfel. Die Dorade ist speziell mariniert und wird sogar vom Ladenbesitzer, der persönlich kellnert, entgrätet. Der gemischte Grillteller hat neben Hühnchen, Lamm, Kotelett und Frikadelle zusätzlich die marokkanische Merguez-Wurst als für Türken einziger ungewöhnlicher Bestandteil. Wenn man Wurst nicht so gern mag, kann man das natürlich auch vorher erwähnen und stattdessen z.B. eine weitere Köfte bekommen. Für die ganz Neugierigen gibt es dort auch klassische marokkanische Gerichte wie Tajine oder Couscous. Über das Preis-LeistungsVverhältnis kann man sich im „Grilladine“ nicht beschweren. Die Preise drehen sich um die 10 Euro.

PS: Wenn ihr nun einmal da seid, dann vergesst nicht marokkanischen Minztee zu bestellen. Das passt wirklich zu jedem Gericht wunderbar.