Der neue irakische Ölminister ist ein Politprofi, der seine ganze politische Erfahrung in die Waagschale werfen muss, um die Diskussionen um die kurdische Ölproduktion beizulegen und ausländischen Investoren ins Land zu holen.

Adel Abdu-l-Mehdi, ehemaliger Finanzminister und Vizepräsident, hat am vergangenen Montag das Regierungsamt des Erdölministers vom neuen irakischen Parlament übertragen bekommen. Er scheint ausländischen Investitionen und Geschäftsangeboten im Irak aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Laut Today’s Zaman sprechen einige irakisch-kurdische Quellen bereits von einer versöhnlichen Figur, die eine positivere Atmosphäre in den Beziehungen zwischen Bagdad und Kurdistan in der Frage der Ölproduktion bringen könnte.

Doch der Minister sieht sich einer undankbaren Aufgabe gegenüber, da die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ölreiche Landstriche im Nordwesten des Irak unter ihre Kontrolle gebracht hat und die Kurden die irakische Regierung durch den Verkauf von Erdöl über den Mittelmeerhafen Ceyhan provozieren. Jenseits der gravierenden Sicherheitsmängel und politischer Herausforderungen muss er bei möglichen ausländischen Investoren Sorgenfalten wegen der ineffizienten Bürokratie sowie der schwach entwickelten bzw. zerstörten Infrastruktur des Landes zerstreuen. Eine Hinterlassenschaft jahrelanger Sanktionen, interner Konflikte und Krieg.

Ganz gleich, welche Politik der neue Minister auch verfolgen mag, es wird ein Spießrutenlauf zwischen sich gegenseitig bekämpfenden Interessen. So zum Beispiel sind die neuen Chefs der OPEC-Führungsetage darauf erpicht, den Irak als Ganzes zu erhalten. „Die Herausforderungen sind für den neuen Minister umfassend und umfangreich“, sagte der Analyst der Schwedischen Energieagentur, Samuel Ciszuk.

Erdöl-Export birgt Konfliktpotential

Nichtsdestotrotz ist Abdu-l-Mehdi ein politisches Schwergewicht, der ein Erbe mit sich trägt, das ihm helfen könnte. Er stammt aus einer Familie, die seit Bestehen der irakischen Monarchie die Politik des Landes mitbestimmt hat, er war in den 60er Jahren für kurze Zeit Mitglied der Baath-Partei, bevor Saddam Hussein die Macht an sich riss. Danach wandelte er sich zu einem prominenten Marxisten und wurde schließlich Islamist. Als Schiit ist er Seniorchef des Obersten Rates der islamischen Gerichte, eine der stärksten schiitischen Parteien, die traditionell starke Verbindungen zu den Kurden pflegt.

Dieser Draht zu den Kurden könnte die langwierigen Streitereien zwischen Bagdad und der kurdischen Hauptstadt Arbil über die wertvollen Energieressourcen entschärfen. Die Kurden begannen bereits im Mai dieses Jahres mit dem Ölexport über eine unabhängige Pipeline. Die irakische Regierung hat daraufhin ein US-Gericht angerufen, in der Nähe von Texas einen mit Rohöl beladenen Tanker im Werte von 100 Millionen Dollar zu beschlagnahmen und des Weiteren damit gedroht, potentielle Käufer zu verklagen.