Christian-Wulff
Christian-Wulff

Der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff war am Samstag der Ehrengast im Rahmen einer Veranstaltung zum Geburtstag des Propheten Muhammad in der Lanxess-Arena in Köln. Er bekam bei dieser Gelegenheit von Vertretern der muslimischen Community in Deutschland und vom Vorsitzenden der türkischen Religionsbehörde rote Rosen geschenkt.

Wulff rief die muslimische Community dazu auf, gegen die Ausbeutung des Islam durch terroristische Gruppen aufzustehen. „Lasst es nicht zu, dass eure friedliebende Religion für inhumane und gewalttätige Zwecke ausgenutzt wird. Lasst uns zusammenarbeiten, damit die Religionen kein Zankapfel in der Welt werden“, so Wulff. Der frühere Bundespräsident lobte die friedliche Koexistenz zwischen Christen, Muslimen und den Angehörigen anderer Religionen in Deutschland.

Wulff bestätigte die Bereicherung Deutschlands durch den Islam und lobte die Imamausbildung im Land, gleichzeitig rief er jedoch auch die Türkei dazu auf, die Ausbildung von christlichen Priestern in der Türkei zu ermöglichen.

Mit Blick auf die Krisen in der Welt und deren Opfer betonte Wulff: „Wir müssen zusammenstehen, um aus der Krise herauszufinden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Millionen Menschen fliehen müssen.“ Alle Religionen geböten es, in der Welt Gutes zu tun, für eigene Taten einzustehen und Gnade zu üben.

Diyanet-Chef Görmez ruft auf, „zu vergeben und um Vergebung zu bitten“

Der Vorsitzende des Direktorats für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei (Diyanet), Mehmet Görmez, hat unterdessen davor gewarnt, dass die Menschheit, obwohl in der heutigen alle Religionen, Glaubenssysteme und Kulturen miteinander verwoben seien wie noch nie zuvor, daran scheitere, die Chancen dieser Multikulturalität zu nutzen.

Görmez betonte, die friedliche Koexistenz zwischen den Religionen sei möglich, wenn es den Menschen gelänge, die Liebe Gottes zu verstehen und sie es schaffen würden, diese in die Liebe zu sozialem Frieden und Gerechtigkeit umzumünzen.

„Der Prophet Muhammad und die Ethik der Koexistenz“ lautete die Überschrift zu allen Veranstaltungen in Rahmen des Gedenkens. Görmez hielt dabei vor 19 500 Teilnehmern in der vollbesetzten Arena eine Rede über das Leben des Propheten und die Moralität des Zusammenlebens. Görmez betonte, der Prophet und sein Ruf nach Frieden und wechselseitigem Respekt wäre eine Lösung für alle religiösen Konflikte. „Islam bedeutet, Gott und seine Schöpfung zu respektieren und für alle, im Frieden zu leben“, so der Diyanet-Vorsitzende.

Görmez bedankte sich auch bei den Priestern und Kardinälen des Kölner Doms dafür, dass diese demonstrativ die Lichter ausschalteten, als in der Kölner Innenstadt ein Aufmarsch der rechtsextremen „Pegida“ stattgefunden hatte. „Ich grüße aus tiefstem Herzensgrunde die Menschen in Deutschland, die gegen Diskriminierung aufgestanden sind“, so Görmez. „Möge die Güte, die uns offenbart worden ist, auf Erden zum Leben erwachen.“

Die Muslime, die in Europa leben, seien nicht länger Migranten, so Görmez. Um den Islam auf die bestmögliche Weise zu repräsentieren, müssten Muslime Werte schaffen, von denen die gesamte Gesellschaft profitiere. „So kann man auch dem schlechten Image gegensteuern, das dem Islam angeheftet wurde.“ Als Gläubige seien Muslime Vertreter der Gnade, weshalb sie zwei Empfehlungen befolgen sollten, um die Koexistenz zu schützen: zu vergeben und um Vergebung zu bitten. „Wer nicht selbst vergibt, weiß nicht, wie er um Vergebung bitten soll“, so Görmez.

Botschafter Karslioğlu: Erfreuliche Entwicklung der Muslime in Deutschland

Auch der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioğlu, der selbst in Deutschland aufgewachsen war, zeigte sich von der Atmosphäre der Veranstaltung tief berührt und erklärte: „So etwas wie diese Veranstaltung habe ich in meiner Kindheit nie erlebt.“ Diese sei vielmehr eine Phase der Fremdheit gewesen. Umso erfreulicher sei es, wie sich die Muslime in Deutschland entwickelt hätten. Er dankte Deutschland dafür, dass es ein Ort ist, an dem eine Kultur der Koexistenz bestehe und wo solche Veranstaltungen möglich wären. Er wandte sich an Görmez und alle muslimischen Organisationen und meinte: „Unsere Aufgabe ist es, diese Toleranz weiterzugeben, sodass die Koexistenz auch künftige Generationen präge“, betonte Karslioğlu. Muslime, Juden und Christen sollten voneinander lernen, um eine Kultur der Koexistenz zu bewahren.

In ganz Europa wird derzeit in ganz Europa mit einer Serie von Veranstaltungen begangen.