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Von Münster an den Bosporus

Das postpolitische Leben wird Ruprecht Polenz im Auftrag der Stiftung Mercator und des türkischen Think Tanks Istanbul Policy Center (IPC) nach Istanbul führen.

Noch ist Ruprecht Polenz Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags. Da das Münsteraner CDU-Urgestein jedoch zu Gunsten seiner Nachfolgerin Sybille Benning auf eine weitere Kandidatur verzichtete, wird er diese Funktion demnächst zurücklegen und sich aus der aktiven Politik verabschieden.

In Großvaters Gartenlaube wird sich der streitbare Außenpolitiker allerdings noch lange nicht zurückziehen. Sein postpolitisches Leben wird ihn im Auftrag der Stiftung Mercator und des türkischen Think Tanks Istanbul Policy Center (IPC) dabei zuerst nach Istanbul führen, wo er zusammen mit der angesehenen Pariser Soziologin Prof. Dr. Nilüfer Göle als einer von zwei Senior Fellows seine Expertise im Rahmen des zweiten Fellowship-Jahrgangs in die dortige Forschungsarbeit einbringen wird.

Am Abend des vorgestrigen Montags wurden alle Teilnehmer, zu denen neben den beiden genannten Senior Fellows noch sechs weitere Fellows aus Deutschland und der Türkei gehören, im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung begrüßt.

Ruprecht Polenz wird während seines Fellowships die Rolle des politischen Islam in den Demokratisierungsprozessen in der Türkei und der Region untersuchen. Der Fokus des Projektes von Prof. Göle liegt auf der Kultur des Zusammenlebens in Europa.

Weitere Forschungsthemen der sechs Fellows aus Deutschland und der Türkei sind unter anderem multilingualer Schulunterricht, „Klimawandel im Mittelmeerraum“ sowie Optionen für eine europäisch-türkische Energiepolitik. Die Teilnehmer werden als Post-Docs für sechs bis zwölf Monate in Istanbul leben und arbeiten.

„Das Wissen übereinander stärken“

Die sechs weiteren Fellows werden die Bremer Kommunikationswissenschaftlerin Çiğdem Bozdağ, Almut Küppers, Akademische Rätin am Institut für Englisch und Amerikastudien an der Goethe-Universität Frankfurt/Main, der Physiker Mehmet Levent Kurnaz von der Boğaziçi Universität in Istanbul, Kerem Öktem, ein Experte in Nahost-Studien, Türkeipolitik und internationalen Beziehungen an der Oxford Universität, Politikwissenschaftler Jörn Richert und die ehemalige Senior Expertin und Projektmanagerin in der Berliner Vertretung der Türkischen Industrie- und Unternehmervereinigung TÜSIAD, Ebru Turhan, sein.

„Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts lassen sich nur gemeinsam lösen. Unser Engagement am IPC zeigt, dass die Entwicklungen in der Türkei und die Beziehung des Landes zu Deutschland und Europa eine zentrale Rolle für uns spielen“, sagt Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. „Die Türkei ist ein Teil Europas und die Arbeit der Fellows stärkt das Wissen von- und übereinander.“ Zwischen 2012 und 2016 stellt die Stiftung Mercator für das Fellowship-Programm und weitere Projekte am IPC insgesamt rund 5,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Fellows erhalten ein Stipendium, weitere Fördermittel können bei Bedarf beantragt werden. Zudem stellt das IPC Arbeitsplätze in seinem Institut im zentral gelegenen Istanbuler Stadtteil Karaköy zur Verfügung.

Bewerbungen für den kommenden Jahrgang sind ab Januar 2014 möglich.