Russland hat der Polizei in den Niederlanden vorgeworfen, einen seiner Diplomaten überfallen und geschlagen zu haben. Kremlchef Wladimir Putin forderte am Dienstag eine Erklärung für das Vorgehen gegen den Gesandten Dmitri Borodin, der als Diplomat Schutz vor Strafverfolgung genießt, sowie eine Bestrafung der Verantwortlichen.

Russland hat der Polizei in den Niederlanden vorgeworfen, einen seiner Diplomaten überfallen und geschlagen zu haben. Kremlchef Wladimir Putin forderte am Dienstag eine Erklärung für die Misshandlung des Gesandten Dmitri Borodin, der als Diplomat Schutz vor Strafverfolgung genießt, sowie eine Bestrafung der Verantwortlichen. Die Niederlande kündigten eine Untersuchung der Vorwürfe an.

Sollte sich herausstellen, dass es bei der umstrittenen Polizeiaktion Verstöße gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen gegeben habe, werde sich Den Haag dafür entschuldigen, erklärte ein Sprecher des niederländischen Außenministeriums. Zuvor war der niederländische Botschafter in Moskau in das dortige Außenministerium einbestellt worden.

Nach russischer Darstellung sollen bewaffnete Uniformierte Borodin am Wochenende in dessen Wohnung in Den Haag überwältigt haben. Nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP hatten Nachbarn des Diplomaten „wegen dessen Verhalten gegenüber seinen Kindern“ die Polizei alarmiert. Einzelheiten zu den Vorwürfen wurden nicht genannt.

Die künftigen Beziehungen Moskaus zu Den Haag werden laut Außenminister Sergej Lawrow von der Reaktion der Niederlande auf Forderungen Russlands abhängen, die Schuldigen am jüngsten Überfall auf einen russischen Diplomaten zu bestrafen.

Merkwürdige Geschäftigkeit einer Regierung für Belange einer NGO

Der Moskauer Politikexperte Fjodor Lukjanow meinte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, der polizeiliche Einsatz gegen einen russischen Diplomaten in Den Haag könnte ein Racheakt für die Festnahme von Greenpeace-Aktivisten in Russland sein. Ihm zufolge war diese Praxis im Kalten Krieg durchaus verbreitet.

Mitte September waren in Russland 30 Greenpeace-Aktivisten verhaftet und der Piraterie angeklagt worden, nachdem sie widerrechtlich versucht hatten, eine Ölbohrinsel in der Barentssee zu erklimmen. Ihr Schiff „Arctic Sunrise“, das unter der niederländischen Flagge steht, wurde nach Murmansk abgeschleppt.

Die niederländische Regierung schwang sich daraufhin zur Fürsprecherin der inhaftierten Aktivisten auf und wollte gegen Russland auf der Basis der UN-Seerechtskonvention gerichtlich vorgehen. (dpa/dtj)