Putin und Erdogan.

Michael Thumann hat viele Jahre in Russland und der Türkei verbracht. Im Rahmen der Veranstaltung „Deutsch-Türkische Beziehungen im 21. Jahrhundert“, die vergangene Woche stattfand, hatten wir die Möglichkeit, ihn zur türkisch-russischen Krise zu befragen.

„Es läuft eine Kampagne, in der man alte Stereotype gegen die Türkei und gegen das Osmanische Reich wieder hervorruft. Dass der Türke irgendwie gefährlich ist, das hat in Russland jeder in irgendeinem Kinderbuch gelesen. Dieses Bild wird wiederbelebt“, so Thumann.

Dies sei gefährlich, denn es zerstöre die Beziehungen nachhaltig. „Politiker können sich streiten und versöhnen, aber das bleibt.“

Doch wie konnte der Streit nach dem Kampfjet-Abschuss vor drei Wochen derart eskalieren? Hier nennt Thumann zwei Punkte.

Der eine sei der russische Präsident: „Putin ist wirklich stinksauer. Er ist sehr emotional, auch wenn er dieses rationale Gesicht aufsetzt.“ Der zweite sei ein Bedarf an einem neuen Feindbild: „Russland versucht sich durch den Anti-Terror-Krieg gegen den IS wieder etwas an den Westen anzunähern. Da gerät das Feindbild EU, das Putin im Inneren immer braucht, abhanden. Man braucht was neues, das die Herzen ergreift und Angst macht. Und diese Angst ist nun die Türkei.“

Cem Özdemir von Bündnis 90/Die Grünen erklärte sein Bedauern über den Konflikt. „Wir brauchen beide Länder im Kampf gegen Assad und den IS. Wir brauchen beide Länder als Nachbarn, die gut miteinander auskommen müssen. Ich hoffe, dass der Streit beigelegt werden kann und beide Seiten sich der Verantwortung bewusst sind, die sie füreinander haben und vor allem auch für die Region“, so der Spitzenpolitiker.

Das Ziel von Moskau ist jedoch, dass Assad-Regime zu stützen. Putin führt einen Krieg nicht nur gegen den IS, sondern gegen alle oppositionellen Gruppen.