Während es auf politischer Ebene noch Meinungsverschiedenheiten in Fragen wie der Syrienkrise gibt, intensivieren die Türkei und die Russische Föderation ihre Energiepartnerschaft.

Das Gasprojekt South Stream zur Versorgung Südeuropas ist nach Worten von Gazprom-Chef Alexej Miller endgültig auf Eis gelegt. „Es gibt kein Zurück mehr“, sagte der Topmanager von Russlands größtem Gaskonzern am Montag in Ankara nach Verhandlungen der Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan.

Gazprom werde eine neue Pipeline in die Türkei mit einer Leistung von bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr bauen. Dafür werde in nächster Zeit ein Konsortium ins Leben gerufen. Ein entsprechendes Memorandum sei am Montag zwischen Gazprom und dem türkischen Energiekonzern Botaş A.Ş. unterschrieben worden.

„Durch die Leitung werden rund 14 Milliarden Kubikmeter Gas unmittelbar in die Türkei fließen“, sagte Miller. Die restlichen rund 50 Milliarden Kubikmeter würden in einem Hub an der türkisch-griechischen Grenze gespeichert, dessen Bau erwogen werde. „Am Bau der neuen Pipeline könnten sich auch dritte Personen beteiligen. Wir und die Türkei sind bereit, den Einstieg interessierter Unternehmen zu prüfen“, sagte der Konzernchef.

Zudem vereinbarten Gazprom und Botaş den Ausbau der vorhandenen Gasleitung Blue Stream um drei Milliarden auf 19 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Miller zufolge sollen bis Ende Dezember die Machbarkeitsstudie für eine neue Verdichterstation erstellt sowie die notwendigen Investitionen bestimmt werden.

Karten im Energiebereich neu gemischt

Wie Putin nach den Gesprächen mit Erdoğan Journalisten sagte, wird somit der wachsende Bedarf der Türkei an Gas gedeckt. „Wir kamen darin überein, nicht nur Blue Stream auszubauen, sondern auch eine zusätzliche Leitung zu verlegen und, falls notwendig, an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland einen Gashub für die Versorgung Südeuropas zu bauen“, sagte der russische Präsident.

Der Chef des staatlichen russischen Energieversorgers Gazprom, Alexej Miller, sprach von einer gigantischen Gaspipeline, die von Russland aus durch die Türkei verlaufen und an der griechischen Grenze enden werde. Auf diese Weise werde Russland auch ohne South Stream  Zugang zum südeuropäischen Markt erlangen.

Die Trägergesellschaft werde eine russische sein, so Miller, Gazprom möchte jedoch türkischen Partnern die Möglichkeit geben, sich in das Projekt einzukaufen.

Bis auf weiteres wird die Versorgung der Türkei mit russischem Gas mittels des bereits vorhandenen Blue-Stream-Bestandes um 3 Mrd. Kubikmeter erhöht werden, betonte Vladimir Putin in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Gastgeber, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Im Vorjahr seien der Türkei Reuters zufolge 13,7 Mrd. Kubikmeter an Erdgas über die bestehende Infrastruktur geliefert worden.

Putin gab die Anweisung, die Lösung mit der Türkei zu suchen

Die Türkei habe größtes Interesse an einer solchen Vorgehensweise, äußerte Martin McCauley von der Universität gegenüber Russia Today, da das Land auf diese Weise auch Einnahmen aus Transitgebühren generiere. „Die Türkei sieht sich – wenn man so will – als Partner, und als Zwischenglied, das Erdgas aus Russland und dem Iran bezieht und nach Europa weiterliefert.“

Der Bezugspreis für türkische Kunden soll mit 1. Januar 2015 um 6 Prozent fallen, kündigte Putin. Russlands Wirtschaftsminister Alexandr Novak deutete an, im Wege weiterer Verhandlungen könnte der Preis sogar um bis zu 15 Prozent sinken. Novak erklärte später auch, Putin habe höchstpersönlich angeordnet, das Projekt South Stream auf Eis zu legen und stattdessen die bestehende Infrastruktur für eine Lösung gemeinsam mit der Türkei zu nützen. Nach Deutschland ist die Türkei Russlands zweitgrößter Erdgasabnehmer, der 80-Millionen-Markt wird für Moskau noch attraktiver, da die Türkei eine Diversifizierungspolitik verfolgt, die ihre Abhängigkeit vom Westen mindern soll.

Die South-Stream-Pipeline stand bereits seit längerer Zeit vor Finanzierungsschwierigkeiten, zudem gab es Schwierigkeiten rund um die EU-Regelung, wonach die Pipeline und das Gas, das durch diese transportiert werde, nicht in der Hand des gleichen Unternehmens sein dürfen. An die Stelle der Pipeline soll nun ein neu konstruiertes Versorgungszentrum an der türkisch-griechischen Grenze treten, von dem aus später auch Ost- und Südeuropa versorgt werden sollen.

Sichere Energie für die Türkei

Neben der Gasversorgung war auch der Bau eines Atomreaktors für 20 Mrd. US-Dollar Gegenstand der Gespräche. Im Jahre 2010 waren beide Länder übereingekommen, den Mersin-Akkuyu-Reaktor durch die russische Rosatom errichten zu lassen.

„Dieses Großprojekt, das etwa 20 Milliarden wert ist, wurde auf den Weg gebracht, um die Energiesicherheit der Türkei zu stärken und neue Jobs zu schaffen, nicht zuletzt dadurch, dass türkische Unternehmen involviert sind“, betonte Putin. Insgesamt kommen 65% aller Energieimporte, die in die Türkei fließen, aus der Russischen Föderation.

Das Handelsvolumen zwischen Russland und der Türkei beträgt derzeit 32,7 Mrd. US-Dollar. Im Jahre 2013 gab es russische Direktinvestitionen im Umfang von insgesamt 1,7 Mrd. US$ in der Türkei, in umgekehrter Richtung flossen in diesem Bereich 1 Mrd. US$. (RIA Novosti/RT/dtj)