Machtkampf am Golf: Im Streit um Einfluss in Ägypten und Syrien geraten Saudi-Arabien und Katar immer heftiger aneinander. Riad bereitet nun neue Zwangsmaßnahmen gegen Katar vor.

Der Streit zwischen den Regierungen Saudi-Arabiens und Katars eskaliert immer mehr. Ein saudischer Beamter sagte der Zeitung „Al-Hayat“, das Büro des Nachrichtensenders Al-Jazeera in Saudi-Arabien werde demnächst geschlossen. Auch dürften saudische Journalisten künftig nicht mehr für Medien aus Katar arbeiten. Der Nachrichtensender mit Sitz in Katar und Kanälen in arabischer, englischer und bosnischer Sprache gilt seit langem als der dortigen Regierung nahe stehend.

Auch auf diplomatischer Ebene verschärfte sich jüngst der Streit zwischen Katar und seinen Nachbarn. Die VAE, Saudi-Arabien und Bahrain hatten vergangene Woche bereits ihre Botschafter aus Doha abberufen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) denken zudem darüber nach, alle offiziellen Kontakte zu Katar abzubrechen. Wie die kuwaitische Zeitung „Al-Qabas“ am Freitag berichtete, denken Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) außerdem darüber nach, der staatlichen Fluggesellschaft von Katar die Überflugrechte zu verweigern.

Zwei Regionalmächte – unterschiedliche Interessen

Sowohl Katar als auch Saudi-Arabien verfolgen als Regionalmächte selbstbewusst ihre politischen Interessen im Mittleren Osten und konkurrieren dabei zunehmend um Einfluss. Hintergrund des momentanen Streits ist die Unterstützung, die das Herrscherhaus von Katar der Bewegung der Muslimbrüder und anderen politisch aktiven islamischen Gruppen gewährt. Die Rivalität zwischen Katar und den drei anderen Golfstaaten war zuletzt besonders in den Krisenländern Syrien und Ägypten deutlich geworden.

Saudi-Arabien unterstützt in Syrien den Vorsitzenden der Nationalen Syrischen Koalition, Ahmed al-Dscharba, sowie mehrere gemäßigte Brigaden. Katar hatte nach Angaben syrischer Regimegegner im vergangenen Jahr auch radikale Brigaden wie die Al-Nusra-Front gefördert.

In Ägypten haben sich die saudischen Herrscher auf die Seite von Militärchef Abdul Fattah al-Sisi geschlagen, während die Regierung in Katar auf der Seite des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi steht. Die politische Entwicklung in Ägypten wirkte sich außerdem auf die Beziehung der Türkei zu den Golfstaaten aus, da die Türkei Mursi lange Zeit unterstützte. Der staatliche Energieversorger der Vereinigten Arabischen Emirate kündigte im August 2013 beispielsweise die Aufschiebung einer Kohlekraftwerk-Konstruktionen in der Türkei an.

Auch in Ägypten wächst der Druck auf den Sender aus Katar

Unterdessen ist der umstrittene Terrorismus-Prozess gegen neun Mitarbeiter des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera iam vergangenen Mittwoch in Kairo fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft den insgesamt 20 Angeklagten Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung beziehungsweise deren Förderung vor. Außerdem sollen sie „falsche Nachrichten zur Schädigung des Ansehens Ägyptens“ verbreitet haben.

Drei der Mitarbeiter sind in Ägypten inhaftiert, gegen die anderen wird in Abwesenheit verhandelt. Sie waren Ende vergangenen Jahres in ihrem Hotel in Kairo verhaftet worden. Zuvor hatten sie als Journalisten mit Vertretern der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft gesprochen. Zum Auftakt des Prozesses hatten sie sich nicht schuldig bekannt.

Ehemalige Arbeitgeber eines der inhaftierten Journalisten, darunter die britische BBC, und internationale Journalisten-Organisationen hatten die Anklage als „absurd“ und „politisch motiviert“ kritisiert. (dpa/dtj)